Gedanken für den Tag
"Gastfreundlich sein wie Abraham und Sara" von Josef Schultes
30. Juli 2010, 06:57
Josef Schultes ist katholischer Theologe und Religionspädagoge.
Abraham und Sara: Viele Geschichten ranken sich um diese beiden Gestalten. "JHWH erschien Abraham bei den Eichen von Mamre, zur Mittagshitze am Zelteingang". So beginnt eine der bekanntesten Erzählungen aus dem ersten Buch der Bibel, "Genesis". Sie handelt von der typisch orientalischen Gastfreundschaft der "Stamm-Eltern" drei Männern gegenüber. Es ist eine Story von Gastfreundschaft und ihren Nachwehen: Im hebräischen Original wird den kinderlosen Senioren ein Sohn verheißen. In der orthodoxen Ikonen-Kunst leuchtet hier schon die Dreifaltigkeit auf. Und im Islam wird Abraham zum Propheten Ibrahim, hoch verehrt in seinem angeblichen Geburtsort Urfa. Wo auch Christen zum Mittagsgebet in der Moschee eingeladen sind, von einem gastfreundlichen Imam ...
Gestaltung: Alexandra Mantler
Drei Männer kommen in der biblischen Erzählung im Buch Genesis zu Abraham und Sara, göttlich wach und mit einer Botschaft, in der Hitze des Tages. Wir fahren in der Kühle der Nacht, um zwei Uhr früh los, von Adiyaman in der Südosttürkei, menschlich müde und noch stumm. Wir - eine Reisegruppe "Auf den Spuren Abrahams und Saras" - wir wollen zum Sonnenaufgang in über 2000 Meter Höhe, auf den Nemrut Dag, auf den Berg der Götter.
Oben angekommen, sehen wir die fünf Statuen. Im Morgenlicht stehen sie da, acht bis zehn Meter hoch, wahre Kolosse. Beeindruckende Monumente eines Herrschers mit Größenwahn. Bedrückend und ernüchternd aber, was starke Erdbeben im Laufe der Zeit verursacht haben: Die Köpfe aller Statuen liegen auf dem Boden, sichtbar handelt es sich um tote Götter!
Siegt der Tod auch in der Erzählung aus der Bibel, von der ich in dieser Woche erzähle? Die Karten des Lebens, die Chancen auf Nachkommen stehen schlecht. "Abraham und Sara waren in die Jahre gekommen", heißt es da im Buch Genesis. "Sara erging es längst nicht mehr, wie es Frauen zu ergehen pflegt. Sara lachte daher still in sich hinein und dachte: Ich, alt und verwelkt, ich soll noch das Glück der Liebe erfahren? Und mein Mann ist ein alter Herr!"
Auch die griechische Mythologie kennt den kinderlosen Greis. Ihm wird von drei Göttern ein Sohn verheißen, nämlich Orion. Die drei Gottesgäste der Bibel bringen dieselbe gute Botschaft: "Da sprach Adonai zu Abraham: Ist beim Ewigen etwas unmöglich? Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich wieder zu dir kommen; dann wird Sara einen Sohn haben." Isaak klingt an jazák an, das auf Hebräisch "lachen" bedeutet.
Ein Bekenntnis der Bibel, das mich herausfordert: "Nichts ist unmöglich, nichts ist zu wunderbar bei Gott!", ist für mich die Botschaft dieser Erzählung.
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