Nachtbilder - Poesie und Musik
Nachtbilder - Sommerreprisen. "Mein mausklickendes Saeculum" von Robert Schindel (Suhrkamp Verlag). Gestaltung: Nikolaus Scholz. Redaktion: Edith-Ulla Gasser
31. Juli 2010, 00:08
"Sich einringeln" in Gedanken und Worten, auf dass es schwerfalle, sich wieder "herauszuringeln": so beschreibt Robert Schindel selbst Lust und Gefahr seiner Gedichte. Schindels poetisches Ich ist eines mit "expansionistischem Blick": Es flektiert seine Wirklichkeit, zerstößelt sie, wickelt sie in sich ein. Landschaften, Stätten und Mythen, Poetologisches, Sprache und Wahrheit, Leben und Sterben und vor allem die Liebe tauchen herauf.
Als "Logbücher" legen sich diese Gedichte dem Leser vor, als Sehnlieder, Arien und Stille-Etüden bewegen sie sein Gemüt, als "süße Vögel" ziehen sie über ihn hinweg. Dann wieder gaukeln sie als "Schmetterlinge im unentwegten Landeversuch", und das Denken erscheint für Sekunden als verführerisch leicht. Oder aber sie tropfen ihm auf den Scheitel, wie eine unwiderstehliche Flanke, und verwandeln sich - in ein "gottverlassenes Goal".
Robert Schindel, geboren 1944 in Bad Hall in Oberösterreich, lebt in Wien. Unter dem Decknamen Robert Soel geboren, überlebt er die NS-Zeit als "Asozialenkind" in einem NS-Wohlfahrtsheim. Nach vorzeitiger Schulentlassung und abgebrochener Buchhändlerlehre machte er Externistenmatura, er war Aktivist der 68er-Bewegung und Gründer der "Kommune Wien". Schindel studierte Philosophie und Pädagogik. Bis Mitte der achtziger Jahre arbeitete er u. a. bei den Wiener Städtischen Büchereien und der Agence France Press, seither ist er freier Schriftsteller.
Zuletzt erschienen: "Gebürtig" (Roman, 1992); "Ein Feuerchen im Hintennach" (Gedichte, 1992); "Immernie. Gedichte vom Moos der Neunzigerhöhlen" (2000); "Zwischen dir und mir wächst das Paradies" (2003); "Nervös der Meridian" (2003); "Mein liebster Feind" (2004); "Fremd bei mir selbst" (2004); "Kassandra" (2004); "Wundwurzel" (2005); "Mein mausklickendes Saeculum. Gedichte" (2008).
