Diagonal - Radio für Zeitgenossen
Zum Thema: Urlaub - die Erlaubnis zur Sonne, zur Freiheit. Präsentation: Michael Schrott * Anschl.: Diagonals Feiner Musiksalon. Jim Moray, "In Modern History"
31. Juli 2010, 17:05
"urloup nam do Witege, ein ritter so erwegen" heißt es in den mittelhochdeutschen Gedichten vom Rosengarten zu Worms aus dem 13. Jahrhundert, die eine ganze Reihe stolzer Recken anführen, die Urlaub nehmen. Der Weggehende nahm den "urloup", die Erlaubnis dessen, der ihn entließ, zum Beispiel, um für jemand anderen in eine Schlacht zu ziehen.
Bis zum Jahr 1910 hatten österreichische Arbeitnehmer kein Recht auf die Erlaubnis ihrer Dienstgeber, ein paar Tage Urlaub zu nehmen. Erst dann legte das Handlungsgehilfengesetz einen Urlaubsanspruch zwischen zehn Tagen und drei Wochen fest. Und weil die "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!" drängten, wurde 1919/1920 auch den Arbeitern und Arbeiterinnen ein Urlaubsrecht zuerkannt. Heute ist Urlaub ein Synonym für Verreisen. Und selbst wer zu Hause bleibt, nennt als Urlaubsziel ein anderes Land: Balkonien oder Gardenien.
Diejenigen, die wirklich verreisen, tun das weniger individuell als vor allem pauschal. Sie folgen einem Modell, das Thomas Cook erstmals 1841 praktizierte, als er für 570 erlebnishungrige Engländer eine Eisenbahnreise organisierte, bei der er Schinkenbrote und Tee reichen ließ, dazu spielte die Blasmusik und Vorträge warnten vor den Lastern des Trinkens und des Rauchens - ein frühes Beispiel für Wellness-Urlaub.
Doch erst in den 1970er Jahren wurde der Pauschaltourismus mit den Billigflügen ein Massenphänomen, das gebuchte Gefühle vermitteln sollte (Erstsendung: 28. Februar 2009).
Service
Klaus Kufeld, "Die Erfindung des Reisens. Versuch gegen das Missverstehen des Fremden", Edition Splitter
Hasso Spode, Irene Ziehe, "Gebuchte Gefühle. Tourismus zwischen Verortung und Entgrenzung", Profil Verlag
Jürgen Rostock, Franz Zadnicek, "Paradiesruinen. Das KdF-Seebad der Zwanzigtausend auf Rügen", Christoph Links Verlag
Peter J. Brenner (Hrsg.), "Reisekultur in Deutschland. Von der Weimarer Republik zum 'Dritten Reich'", Max Niemeyer Verlag
Heidi Weinhäupl, Margit Wolfsberger (Hrsg.), "Trauminseln? Tourismus und Alltag in 'Urlaubsparadiesen'", LIT Verlag Wien
Peter Zellmann, "Die Zukunftsfallen. Wo sie sich verbergen. Wie wir sie umgehen", Österreichische Verlagsgesellschaft ÖVG
Uwe Tellkamp, "Der Turm", Suhrkamp Verlag
Dokumentationszentrum Prora
Institut für Freizeit-und Tourismusforschung
