Diagonal - Radio für Zeitgenossen
Cool. Zur Person Franz Koglmann. Präsentation: Johann Kneihs
21. August 2010, 17:05
Als einen unter nicht allzu vielen Österreichern findet man den Trompeter, Bandleader und Komponisten Franz Koglmann, geboren 1947 in Mödling bei Wien, in jedem internationalen Jazzlexikon. Doch zum Tagesgeschäft des Konzert- und Clubbetriebs hält er seit langem Distanz. Umso näher steht er Malerei und Literatur: René Magritte, Jean Cocteau oder Oskar Schlemmer sind in seinem Werk so selbstverständliche Bezugspunkte wie Duke Ellington, Johann Strauß und Franz Schubert. Er hat Ezra Pounds "Cantos" vertont, zwei Opern geschrieben und zuletzt, inspiriert von Vladimir Nabokovs Roman, die Komposition "Lo-Lee-Ta". Kurz: Franz Koglmann bildet eine Kategorie für sich.
"Wenn man ein Wort wählen müsste, um Franz Koglmanns Klangvision auf knappestmögliche Weise zu beschreiben, so wäre es wohl der Begriff "cool". Das meint den gleichnamigen Jazzstil aus den Vierziger- und Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts genauso wie das kühle Kalkül, mit dem Arnold Schönberg die Gesetze der Funktionsharmonik aushebelte. Man kann Coolness aber auch etwas schlichter als Lebenshaltung verstehen, die in entfernter Genealogie noch auf den Bebop und den Hipster Talk der Beatgeneration zurückzuführen ist. Coolness kann aus dieser Perspektive nicht nur Attitüde sein, der richtige Anzug, die richtige Sonnenbrille, die richtige Mieze auf dem Beifahrersitz des Convertible - im Zeitalter der Videoclips ist nichts leichter herzustellen als diese Art von Surrogat-Präsenz. Nein, cool bedeutet in der parallelen Welt Koglmanns nicht Nostalgie, aber Melancholie: Man trauert um ein unwiederbringlich Verlorenes, von dem man bestenfalls die Echos hörbar machen kann. Man kann es noch weitertreiben: Die Metamusik, deren Konturen Franz Koglmann seit 25 Jahren umreißt, klingt, als ob er ständig versuchen würde, etwas Erinnertes zu vergessen." (Thomas Mießgang)
Service
Ingrid Karl-Bernhard Kraller (Hrsg.), "Atypical Jazz - 25 Jahre Wiener Musik Galerie"
Wespennest-Sonderheft Nr. 1, "Let's cool one", ist Franz Koglmann gewidmet
Franz Koglmanns "O Moon My Pin-Up" inkl. CD ist als Wespennest-Sonderheft Nr. 2 erschienen
Franz Koglmann im Porträt zum Nachlesen: Wespennest-Heft Nr. 105, "Vom Glück"
Andreas Felber, "Die Wiener Free Jazz-Avantgarde", Böhlau Verlag
Das Album "Lo-lee-ta" von Franz Koglmann ist beim Label Col legno erschienen
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