Im Gespräch

"Denn Sie töten den Geist nicht, Ihr Brüder und Schwestern".
Dr. Barbara Preitler - "Hemayat", eine der Preisträger/innen des Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreises 2011 im Gespräch mit Michael Kerbler

Die Idee, einen "Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte" zu stiften, entstand vor dem 65. Geburtstag des ehemaligen Bundeskanzlers. Damals verzichtete Bruno Kreisky auf Geschenke. Ein Grund für den damaligen Wiener Bürgermeister Leopold Gratz und den Präsidenten des ÖGB, Anton Benya, eine Stiftung und einen Menschenrechtspreis anzuregen, die den Namen Kreiskys tragen sollten.

Damals - Mitte der 1970er Jahre - standen vor allem Menschenrechtsverletzungen in den Diktaturen Mittel- und Südamerikas, die Unterdrückung der Bürger- und Freiheitsrechte in den kommunistischen Staaten sowie im Apartheid-System im südlichen Afrika im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Es überraschte daher nicht, dass sich unter den ersten Preisträgern sowohl prominente Persönlichkeiten wie auch Organisationen befanden, die sich für politische Gefangene und gegen politisch motivierte Verfolgung engagierten. Kardinal Raúl Silva Henríquez aus Chile, Issam Sartawi aus Palästina, Arie Lova Eliav aus Israel und der Erzbischof Miguel Obando y Bravo aus Nicaragua zählten neben Amnesty International und anderen zu den ersten Preisträgern.

Dass Bruno Kreisky sich für politisch Verfolgte einsetzte, wurzelt auch in seiner Biografie. Er wurde sowohl vom Dollfuß-Regime 1935 für 15 Monate als auch von den Nationalsozialisten 1938 weitere fünf Monate eingekerkert und schließlich in das Exil nach Schweden getrieben, von wo er erst 1951 zurückkehrte.

Unter den diesjährigen Preisträgern befinden sich Personen und Organisationen, die sich um die Betreuung von Flüchtlingen verdient gemacht haben. In seiner letzten Laudatio, die Bruno Kreisky 1986 den Preisträgern nur mehr schriftlich übermitteln konnte, heißt es an die Adresse der Unterdrücker gerichtet: "Wer ein relativ langes Leben hinter sich hat und viele Höhen und Tiefen durchmessen konnte, weiß, dass immer wieder der geknebelte Geist sich erhebt. Lassen sie mich schließen mit dem Wort der Verheißung, das viele von uns ein Leben lang beseelte: Denn Sie töten den Geist nicht, Ihr Brüder und Schwestern."

Service

Barbara Preitler, "Ohne jede Spur ... Psychotherapeutische Arbeit mit Angehörigen "verschwundener" Personen", Edition Psychosozial des Psychosozial-Verlages, Gießen (ISBN 3-89806-928-1, ISBN: 978-3-89806-928-1)

Siroos Mirzaei und Martin Schenk (Hrg.): "Abbilder der Folter - Hemayat: 15 Jahre Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen", Mandelbaum Verlag, Wien (ISBN 78-3-85476-307-9)

Dorothee Sölle, "Im Hause des Menschenfressers. Texte zum Frieden", rororo aktuell - Freimut Duve (Hrg.), Rowohlt Taschenbuchverlag Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg (580-ISBN 3 499 14848 x)

Land of Human Rights, Catalog - "Artistic Analyses and Visions of the Human Rights Situation in Europe". Beiträge aus künstlerischen Perspektiven zur Diskussion rund um Menschenrechte in Europa. With the support of the Culture Programme of the European Union. Editors: Anton Lederer, Margarethe Makovec. Editorial work: Sonja Hofstetter, Anton Lederer. Erschienen bei & Revolver, Revolver Publishing by VVV in Berlin (ISBN: 978-3-86895-028-1)

Land of Human Rights, Reader - "Artistic and Activist Strategies of Making the Human Rights Visible". With the support of the Culture Programme of the European Union. Editors: Laila Huber, Judith Laister, Anton Lederer, Margarethe Makovec, Oliver Ressler. Editorial work: Laila Huber, Anton Lederer. Translations GER-ENG: Otmar Lichenwörther. Erschienen bei: & Revolver, Revolver Publishing by VVV in Berlin. (ISBN: 978-3-86895-029-8)

Hemayat - Betreuungszentrum für Folter- und Kriegsüberlebende
Bruno Kreisky

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