Gedanken für den Tag

von Zeynep Elibol. "Früchte des Ramadan"

In dieser Woche beginnt für Muslime und Musliminnen der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, der Fastenmonat Ramadan. Das Fasten von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang während des Ramadan ist eine der im Koran verankerten religiösen Pflichten der Muslime. Das Fastenbrechen mit Einbruch der Dunkelheit - das sogenannte iftar - ist dann aber eine sehr freudige und gesellige Angelegenheit. Doch wie in anderen Religionen auch geht es beim Fasten nicht nur um den Verzicht auf Nahrung, sondern auch um die religiöse Besinnung und Erneuerung. So gesehen kann der Ramadan als eine Zeit verstanden werden, die dazu einlädt, sich der eigenen Werte wieder neu zu besinnen und diese auch zu hinterfragen.

Zeynep Elibol, die Leiterin der Islamischen Fachschule für soziale Bildung in Wien, fragt in den "Gedanken für den Tag" nach menschlichen Beziehungen, dem Ego, Bildung, Gewalt, Gender und die kulturstiftende Kraft von Religion.
Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer.

Assalam, der Friede, ist einer der Namen und wie es heisst eine Eigenschaft Gottes. Islam und Salam haben als Wort die gleichen Wurzeln. Salam alaikum ist der islamische Gruß in dem man dem Nächsten Allahs Frieden wünscht. Sogar das tägliche Gebet wird mit salam, Frieden beendet. Der Friede beginnt im Herzen des Menschen. In einer der letzten Nächte des Ramadans, in der nach islamischen Quellen erstmals der Quran herab gesandt wurde, wird, ebenfalls gemäß der Quellen, sehr viel Frieden auf die Menschen herabgesandt. Neben dem spirituellen Aspekt hat Friede aber auch mit eigenem Engagement zu tun. Der innere Frieden bleibt eine Illusion, wenn man gegenüber Unterdrückung und Ungerechtigkeiten die Augen verschließt, etwa gegen die vielfachen Formen von Gewalt, denen Kinder oder Frauen weltweit oft ausgesetzt sind. Dagegen entschieden aufzutreten, sich für Menschenwürde und gleiche Lebenschancen einzusetzen, ist ein Beitrag zum Frieden und damit ein Gottesdienst im Islam. Im Quran ist zu lesen, dass Allah diejenigen nicht liebt, die Unheil auf Erden stiften und den Streit suchen.
Muhammad (F.s.m.I) definierte einen Muslim als jemanden, der niemandem mit seiner Hand und Zunge einen Schaden zufügt und vor dem jeder sicher ist.
Sich für die Unterdrückten einzusetzen und Zivilcourage zu zeigen, auch das ist, gegen alle Missverständnisse, nach islamischer Auffassung ein Gottesdienst. Denn soziale Gerechtigkeit ist eine Voraussetzung für den gesellschaftlichen Frieden. Ohne soziale Gerechtigkeit wäre Frieden nur eine Illusion, ein apathisches Verharren in Strukturen der Unterdrückung. Der Islam lehrt, gegen Unrecht aufzubegehren und sich für die Notleidenden und Unterdrückten in der Gesellschaft stark zu machen. Ich halte das - nicht nur für Musliminnen und Muslime - für eine gute Handlungsmaxime.
Ich verstehe den Ramadan als eine Gelegenheit, sich dies wieder neu in Erinnerung zu rufen. Nicht umsonst wird auch Muhammad zitiert mit dem Ausspruch: Soll ich euch mitteilen, was noch besser ist als Fasten, Gebet und Almosen? Es ist: Versöhnung bewirken.

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