Ambiente
Reisen mit Ö1. Ambiente Spezial: Das Lächeln des Jaguars. Eine Reise durch den Westen von Nicaragua. Von Nikolaus Scholz
5. Februar 2012, 10:05
Ein zweijähriger Bürgerkrieg beendete im Juli 1979 die korrupte Diktatur von Anastasio Somoza Deba in Nicaragua. Die Sandinisten gingen als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervor und richteten mit Daniel Ortega, der den Putsch gegen das verhasste Regime angeführt hatte, eine sozialistisch orientierte Regierung ein. Von den Folgen der Somoza-Herrschaft und des Bürgerkrieges hat sich Nicaragua allerdings über 30 Jahre danach noch nicht erholt. Die Einkünfte des Landes kommen heute vor allem vom Fleisch- und Kaffeeexport in die USA und von den Tausenden von Emigranten, die ihre in Nicaragua verbliebenen Familienmitglieder finanziell unterstützen.
Langsam gewinnt auch der Tourismus an Bedeutung. Die 1524 vom spanischen Eroberer Francisco Hernandéz Córdoba gegründete und 47 Kilometer südlich der Hauptstadt Managua gelegene drittgrößte Stadt Granada am Nicaragua-See, beeindruckt durch ihre restaurierten Häuser im Kolonialstil. Eine ungewöhnliche Fremdenführung bietet eine junge Dame den in der Stadt weilenden Touristen an. Gioconda ("die Fröhliche"), wie sie sich nennt, singt aus voller Kehle, so zum Beispiel vertonte Gedichte von Rubén Darío. Sehenswert ist auch die "casa de los tres mundos" (Haus der drei Welten), eine Art Kulturinstitut, gegründet von dem in Granada geborenen Freiheitstheologen Ernesto Cardenal und dem österreichischen Schauspieler Dietmar Schönherr.
Im Herbst 2011 realisierte die "casa de los tres mundos" ein aufwendiges Opernprojekt mit einhundert einheimischen Mitwirkenden am Hauptplatz von Granada und ist in der musischen Ausbildung einheimischer Jugendlicher aktiv. Nur unweit von Granada finden sich zwei der in Nicaragua sonst rar gesäten Ökoprojekte: Das Erste bietet Kajaktouren in der Bucht von Aseses an, in einem bedrohten Ökosystem, das Tausende von Zugvögeln aus dem nordamerikanischen Raum als Winterquartier nutzen. Das zweite Projekt liegt an der Lagune von Apoyo: Ein mineralsalzhältiger, fast kreisrunder Vulkansee, der im Zentrum des gleichnamigen Naturschutzgebietes liegt. Auch hier sind Kajaktouren und Segeltörns auf dem spiegelglatten See möglich.
Ein letzter Ausflug gilt dem Norden des Landes, wo hauptsächlich Kaffee angebaut wird. In Matagalpa und den Nachbarprovinzen leben die Kleinbauern schon seit Jahrzehnten vom Anbau des Kaffees und bieten seit Kurzem auch einfache Übernachtungsmöglichkeiten für Studenten und Touristen in ihren Dörfern an. Einzige Voraussetzung: Man sollte Spanisch beherrschen und keine besonderen Ansprüche stellen.
Service
Salman Rushdie: "Das Lächeln des Jaguars", Rowohlt
Isabel und Miguel Ramos: "Nicaragua - ein Land mit Herz", Schardt
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