Radiodoktor - Medizin und Gesundheit

Mit Dr. Christoph Leprich.
Fette Gewinne - Das Geschäft mit den Übergewichtigen
Sendungsgestaltung: Felice Drott, Martin Rümmele, Ronny Tekal und Christoph Leprich
Redaktion: Nora Kirchschlager

Fette Gewinne - Das Geschäft mit den Übergewichtigen

Dass die Zahl der Übergewichtigen ständig steigt, weiß mittlerweile jede/r.
Mindestens 25 Prozent der Erwachsenen in Österreich haben einen BMI von etwa 30, sind also stark übergewichtig. Zur Veranschaulichung: Eine 1,67 Meter große Frau mit BMI 30 wiegt 84 Kilo. Ein Mann mit 1,80 Meter fast 100.
Die Berichterstattung zu Übergewicht verläuft häufig in für die Betroffenen diskriminierender Form. Thematisiert werden in erster Linie mangelndes Kontrollvermögen, individuelle Verantwortung oder gar die Schuldfrage. Von Belastungen für das Gesundheitssystem ist zu lesen und Versicherungen führen unter dem Schlagwort Gesundheitsanreiz Bonus-Malus-Systeme ein.
Wenn ein von so vielen Personen, Expertinnen und Institutionen beklagtes Problem scheinbar unlösbar erscheint, drängt sich geradezu die Frage auf, ob es auch Gruppierungen und Interessensvereinigungen gibt, die vom Status Quo profitieren.
Das Essverhalten wird in der Kindheit entscheidend geprägt. Industriell hergestellte Lebensmittel für Kinder zählen zu den energiereichsten überhaupt. Ein sechsjähriger Bub hat einen Kalorienbedarf von etwa 1.500 Kalorien. Mit drei "gesunden" - in Wirklichkeit hyperkalorischen - "Snacks" (oder einer Tafel Schokolade) zwischendurch und einem Liter Multivitaminsaft ist dieser Bedarf annähernd gedeckt - ohne Frühstück, Mittag- oder Abendessen. Wer hat nochmal gefragt, warum die Kinder in der westlichen Welt zunehmend dicker werden?
Übergewicht beruht auf der Tatsache, dass eine Person mehr Kalorien zu sich nimmt, als sie verbraucht - das bestreitet niemand. Aber was wäre, wenn die prozessierten Lebensmittel, Stichwort die fette Pizza vom Lebensmitteldiskonter, nur noch halb so energiedicht hergestellt würden?
Der fiktive Markt Übergewichtiger in der EU umfasst dutzende Millionen Menschen. Ganze Industriezweige profitieren von dieser Tatsache und fragwürdigen Vorstellungen vom Idealgewicht. Von völlig unverdächtig, wie die Produzenten von Fahrrädern mit Elektromotor über XXXL Restaurantketten, die mit acht Kilo schweren Hamburgern werben, bis zu verschiedenen Medizinsparten - Stichwort Fettabsaugungen und andere einschlägige Eingriffe. Immerhin dürften in Österreich die Kosten für die unterschiedlichsten Behandlungen übergewichtiger Personen im Milliarden Eurobereich liegen.
Und dann gibt es ja noch Diätmittelchen und Light-Produkte aller Art. Abführmittel werden in der EU im Wert von Milliarden das Klo runtergespült. Ein boomender Bereich der Tourismusbranche sind Fastenurlaube.

Diesmal geht Dr. Christoph Leprich der Frage nach, unter welchen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Menschen Europas ständig dicker werden und findet dabei erschreckende Verflechtungen zwischen Gesundheitskontrollbehörden und Wirtschaftszweigen.

Eine Sendung von Mag.a Felice Drott, Martin Rümmele, Dr. Ronny Tekal und Dr. Christoph Leprich.

Service


Ass. Prof. DI Dr. Klaus Dürrschmid
Dr. Hans-Ulrich Grimm
OA Assoz. Prof. PD DI Dr. Hans-Peter Hutter
Elisabeth Jäger
Ass. Prof. Mag. Dr. Regine Schönlechner
Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak
Gesundheitsministerium
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
Österreichische Gesellschaft für Adipositaschirurgie
Sensorik Netzwerk Österreich
Stiftung Warentest
Foodwatch - Die Essensretter
Richtig essen von Anfang an
Lebensmittelcharta - Programm für bessere Lebensmittel

Hans-Ulrich Grimm, "Vom Verzehr wird abgeraten: Wie uns die Industrie mit Gesundheitsnahrung krank macht", Verlag Droemer 2012

Hans-Ulrich Grimm, "Tödliche Hamburger. Wie Globalisierung der Nahrung unsere Gesundheit bedroht", Verlag Hirzel 2010

Jörg Zipprick, "In Teufels Küche. Ein Restaurantkritiker packt aus", Verlag Eichborn 2011

Thilo Bode, "Die Essensfälscher. Was uns die Lebensmittelkonzerne auf den Teller lügen",
S. Fischer Verlag 2010

Prävention von Übergewicht und Adipositas - Aufgaben von Staat, Lebensmittelindustrie und Individuum (C. Eichhorn, E. Nagel, Gesundheitswesen 2010; 72(1):10-16)
Wahl zur dreistesten Werbelüge des Jahres (Help ORF, 22.05.2012)
Codex Alimentarius
Untersuchung zu den gustatorischen und olfaktorischen Wahrnehmungsfähigkeiten von 10- bis 13-jährigen Schulkindern in Österreich

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