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Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Die Märchensammlung der Gebrüder Grimm: Wie Märchen in der Moderne angekommen sind
Gestaltung: Gudrun Braunsperger

Die Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm sammelten deutsche Sagen, Märchen und Volkslieder. 1812 erschien die erste Ausgabe ihrer Kinder- und Hausmärchen: Inzwischen sind sie in 160 Sprachen übersetzt. Bis heute sind das Märchen von Rotkäppchen, Hänsel und Gretel und Tischlein-deck-dich aus dem Standard-Repertoire der frühkindlichen Erzählerlebnisse nicht verschwunden, auch wenn die Sujets einer pazifistisch orientierten modernen Pädagogik zunehmend unangemessen erscheinen: Märchen bringen Kindern das Gruseln bei, sie berichten von psychischer und physischer Gewalt, aber auch davon, dass das Böse grausam bestraft wird: Das Rumpelstilzchen reißt sich am Ende selbst entzwei und die böse Hexe, die Hänsel verspeisen wollte, wird am Ende verbrannt.

Märchen erzählen aber auch von Wegen, Schätze zu finden und mit widrigen Lebensumständen fertigzuwerden. Namhafte Psychologen des 20. Jahrhunderts wie Bruno Bettelheim und Eugen Drewermann haben in ihnen einen wertvollen kulturellen Schatz unseres kollektiven Unbewussten gesehen und auf ihre therapeutische Bedeutung hingewiesen. Märchen haben in der medialen Moderne ihren Platz nicht eingebüßt, sie finden sich in Comics und in der Hollywoodkultur wieder und in der Umdeutung traditioneller Märchenfiguren zu modernen Märchen.

Service

Stefan Martus, Die Brüder Grimm. Eine Biographie. Rowohl: Berlin 2009
Verena Kast, Märchen als Therapie. Deutscher Taschenbuch Verlag: München 1989

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