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Schulden für die Armen? Mikrofinanz in Nicaragua
Gestaltung: Christian Lerch

In Entwicklungsländern haben Mikrokredite in den vergangenen fünf Jahren einen enormen Boom erfahren. Auch eine Folge der Verleihung des Friedensnobelpreis für Mikrofinanz-Begründer Muhammad Yunus im Jahr 2006. Ohne materielle Sicherheiten, einzig auf Basis von Vertrauen und sozialer Kontrolle werden von Mikrofinanzinstitutionen Kredite von 50 bis 1000 Euro gewährt. Mit hohen Zinsen. Bis zu 30% betragen die monatlichen Raten. Hilfe zur Selbsthilfe für die Einen, für die Anderen ein Geschäft. Kritiker sehen in Mikrokrediten ein profitables Geschäft mit der Armut. Anstatt über Entwicklungshilfe ökonomische Strukturen in einem Land zu verändern, würden verarmte Menschen in die wirtschaftliche Selbständigkeit gedrängt, mit den Folgen von Überschuldung und sozialen Spannungen.

In Nicaragua blühte die Mikrofinanzindustrie bis ins Jahr 2009. Die globale Finanzkrise, Fahrlässigkeiten bei der Kreditvergabe und politischer Druck ließen das Mikrofinanzsystem des Landes implodieren. Mehr als eine Million Menschen sind in Nicaragua von Mikrokrediten abhängig, ein regulierter Neustart der Mikrofinanzindustrie ist daher dringend notwendig. Das ärmste Land Zentralamerikas ist ein Lehrbeispiel über Vor- und Nachteile von Mikrokrediten.

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