Betrifft: Geschichte

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Joseph II. - der umstrittene Reformator. Mit Lorenz Mikoletzky, Historiker, Österreichische Staatsarchiv. Gestaltung: Gudrun Braunsperger

Selten hat eine historische Herrscherpersönlichkeit zu Lebzeiten und im unmittelbaren Urteil der zeitgenössischen Nachwelt in so hohem Maß sowohl Zuspruch als auch Ablehnung erfahren wie Joseph II. Die Bauern begrüßten ihn als ihren Befreier, während die katholische Kirche in ihm "des Martin Luther Anhänger und Nachfolger" sah.

Der älteste Sohn Maria Theresias regierte fünfzehn Jahre an der Seite seiner Mutter und vollendete in den zehn Jahren seiner Alleinherrschaft nach ihrem Tod das durch sie begonnene Reformprogramm im Geist des aufgeklärten Absolutismus. Nach dem Leitsatz "Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk" stellte Joseph II. einen Rekord an Neuerungen auf, den kein Herrscher nach ihm gebrochen hat.

Auch wenn einige davon nach seinem Tod zurückgenommen werden mussten, wie etwa der mehrfach verwendbare Sarg, den die Wiener nicht akzeptieren mochten, so blieb sein Reformwerk nicht ohne Einfluss auch außerhalb der habsburgischen Länder. Sein Kampf um eine Staatskirche ließ den Papst zu einem "Canossagang" nach Wien pilgern. Josephs II. revolutionärer Geist im Gewand des höfischen Absolutismus markiert den Übergang zu einer neuen Epoche: ein Jahr vor seinem Tod brach die Französische Revolution aus.

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