Logos - Theologie und Leben

Plädoyer für ein erotisches Christentum - Oder: Warum der Glaube Sinnlichkeit braucht. Gestaltung: Johannes Kaup

Die Kirchen in Europa leeren sich zusehends. Andererseits stillen immer mehr Menschen ihren spirituellen Hunger mit buddhistischen, esoterischen oder schamanischen Lehren. Für den Philosophen und evangelischen Theologen Christoph Quarch ist das kein Wunder. Seiner Ansicht nach haben die Kirchen Sinnlichkeit, Leidenschaft und Erotik aus dem Glauben verbannt. Das hat kirchengeschichtliche Gründe: Die Liebe zu Gott soll keusch und vor allem geistig sein, lehrte beispielsweise der einflussreiche Kirchenvater Augustinus, der selbst - vor seiner Bekehrung - einen ausschweifend-sinnlichen Lebensstil gepflogen hat. Augustinus formt in der Epoche des spätantiken Kulturkampfes der Denktraditionen den "Eros" um in "Caritas". Er empfiehlt, dass der Eros in Beziehung zwischen Gott und Mensch von allem Triebhaften befreit werden müsse. Dadurch wird die Liebe zu Gott rein geistig und fleischlos. Damit beginnt auch eine verhängnisvolle und historisch wirksame Unterscheidung zwischen "guter" und "schlechter", höherwertiger und minderwertiger Liebe.

Christoph Quarch ortet in diesem Punkt bei Augustinus einen zentralen "Sündenfall der christlichen Theologie". Mit seinem Buch "Flirten mit Gott" startet er eine Sinnlichkeitsoffensive und ruft die Kirchen zur Umkehr auf. Quarch zeigt auf, wie eine Spiritualität des Herzens - auch auf den Ebenen Poesie, Musik und Tanz - Menschen berühren und bewegen kann. Eine solche sinnliche Spiritualität ist für Quarch ein Zeugnis des Glaubens an einen lebendigen Gott.

Der 1964 in Düsseldorf geborene Philosoph, Theologe und Religionswissenschafter Dr. Christoph Quarch lehrt Philosophie an der Fachhochschule Fulda. Der Autor von 25 Büchern veröffentlichte zuletzt sein Buch "Flirten mit Gott". Von 2000 bis 2006 war er Programmchef des Deutschen Evangelischen Kirchentags und bis 2008 Chefredakteur von Publik-Forum.

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