Zwischenruf

von Michael Chalupka (Wien)

Über die weiten Reisen des Geldes, alles ganz legal

Einmal um die ganze Welt, mit den Taschen voller Geld. Das scheint das Motto der erfolgreichen Manager zu sein. Tim Cook, der CEO von Apple hat davon gerade den Senatoren der Vereinigten Staaten erzählt. Während die Senatoren auf ihren iPads mit ihren Lieben kommunizierten und mit dem iPhone in die Welt zwitscherten, schwelgte Tim Cook in der großen Erzählung vom amerikanischen Traum, vom Gründergeist und von Arbeitsplätzen. Und im Rahmen dieser Erzählung berichtete er auch über die Reisen des Geldes, über die Tochtergesellschaft in Irland, die zwar keine Angestellten hat, aber ein Management, das sich in Kalifornien trifft, ganz Steuer schonend. Der Apple Chef schloss die große Erzählung mit dem Satz: "Wir bunkern kein Bargeld auf irgendeiner karibischen Insel." Damit waren die Damen und Herren Senatoren wohl auch zufrieden, liegt doch Irland wahrlich nicht in der Karibik.

Doch warum in die Ferne schweifen? Die Erfolgreichen liegen so nahe. Sie tragen Koffer mit Geld über die Grenze, um ihr Talent zu beweisen, sie gründen off-shore Firmen, um ein paar Wohnungen in Singapur zu erwerben … Und das Schöne daran ist, niemand braucht die Unschuldsvermutung zu bemühen, denn es ist wohl alles rechtens dabei. Einmal um die ganze Welt mit den Taschen voller Geld. Das zahlt sich aus, zumindest bei der Steuer und Diskretion. "Wir sind stolz darauf, ein amerikanisches Unternehmen zu sein und unseren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten", sagte Cook am Dienstag in Washington. "Ich bin nicht unfair", beharrte Cook. "Wir zahlen alle Steuern, die wir schulden, jeden Dollar." Und: "Wir stützen uns nicht auf Steuertricks." Alles, was wir tun, ist korrekt - wenn wir es anders tun sollen, müssen Sie die Gesetze ändern, hat er den Mitgliedern des Senats ausrichten lassen.

Das macht die Erfolgreichen aus. Alles legal, alles korrekt. Wer so wenig wie möglich Steuern zahlt und so viel wie möglich der Gemeinschaft vorenthält, der hat es wirklich geschafft. Die Begriffe: Legal und Moral reimen sich nur zufällig. In der Bibel, genauer in den Evangelien, ist von einem role model für die Erfolgreichen zu lesen. Zachäus war einer der Erfolgreichen seiner Zeit, mit Steuern kannte er sich aus. Er war Steuereintreiber, Säckelwart und Schlitzohr in einem. So einer ist ja auch in Österreich vorstellbar. Zachäus war wohl für die damaligen Verhältnisse ein Superreicher. Zachäus war einer von denen, die Jesus mit seinem Wort "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt." gemeint hatte. Und doch kehrte Jesus gerade bei ihm ein, sehr zum Missfallen aller Gerechten und Braven. Für Zachäus war die Begegnung aber so eindrücklich, dass er umkehrte. "Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück."

Und siehe da die Erfolgreichen und Superreichen dieser Welt nehmen sich wirklich Zachäus zum Vorbild. Sie gehen stiften! Sie verpflichten sich die Hälfte ihres Vermögens in wohltätige Stiftungen fließen zu lassen. Bill und Melinda Gates, Warren Buffet und viele andere haben sich zu einem Versprechen verpflichtet, "the giving pledge", vor oder nach ihrem Tod, die Hälfte ihres Vermögens zu stiften, oder zu spenden. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen: Je mehr Steuern man zu Lebzeiten gespart hat, desto mehr kann man zurückgeben. Zum andern: Man behält die Kontrolle, wofür das Geld verwendet wird, man wirft es nicht dem Staat in den Rachen, und außerdem beruhigt es das Gewissen, falls man doch ein wenig forsch beim Steuersparen war. Also Ende gut, alle gut? Einmal um die Welt, mit den Taschen voller Geld inklusive Happy End sozusagen? Fragt sich nur: Warum diese Umwege? Wäre ein gerechtes Steuersystem nicht praktischer, ohne all die Umwege über Steuerinseln aller Art? Und zumal demokratischer, denn dann entschieden ja alle, was mit dem Geld geschieht, und nicht nur die wenigen Stifter, die sich dafür feiern lassen? Aber warum einfach, wenn es Wege voller Abenteuer und Schatzinseln gibt?

Zachäus aber gab ja nicht nur die Hälfte seines Vermögens zurück, sondern denen, die er betrogen hatte, gab er das Vierfache. Doch daran muss sich ja niemand ein Beispiel nehmen. Ist ja alles legal und supersauber gewesen!

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