Gedanken für den Tag
von Franz Küberl. "Auf der Flucht" - Gedanken zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni. Gestaltung: Alexandra Mantler
22. Juni 2013, 06:56
Franz Küberl ist Präsident von Caritas Österreich:
"Ich verliere den Boden, den ich ein Leben lang gebaut habe und in dem ich selbst gewachsen bin. Ich verliere meine Heimat", so schrieb einst der gebürtige Österreicher und erfolgreiche Theaterregisseur Max Reinhardt nach seiner Flucht aus Hitler-Deutschland.
Alle Österreicherinnen und Österreicher sollten sich daran erinnern, dass im Zuge des Zweiten Weltkrieges Millionen Menschen, darunter mehr als 135.000 aus unserer Heimat, vertrieben wurden. Sie haben Flucht und Exil als zutiefst traumatisches Erlebnis wahrgenommen, viele haben sich ein Leben lang nicht davon erholt.
Denn Flucht und Exil bedeuteten zwar einerseits Rettung, Sicherheit und Hoffnung. Gleichzeitig wurden die Hoffnungsschimmer von einem bitteren Nachgeschmack begleitet. Flucht und Exil sind auch immer mit Angst, Verlust und schmerzhaften Erinnerungen verbunden: an die verlorene Heimat, an die geliebten Menschen, die man zurückgelassen hat. Übrigens, nicht selten erzählten Vertriebene, die nach dem Krieg wiederum nach Österreich zurückgekehrt waren, dass sie nicht unbedingt freundlich erwartet und aufgenommen worden seien.
Die Trauer um das verlorene Leben und die ungewisse Zukunft drängte Vertriebene auch in den Freitod, so zum Beispiel den Schriftsteller Stefan Zweig. Der Tod als letzter Ausweg aus der Verzweiflung über eine Flucht ins Ungewisse.
Wenn ich versuche, mich in die Betroffenen hineinzuversetzen, was Flucht bedeutet, was es heißt, gezwungen zu werden, alles, was einem lieb und teuer ist, zurückzulassen, das Gefühl des Fremdseins, der unmöglichen Rückkehr in die Heimat und die damit verbundene Trauer, dann fallen mir dazu Pablo Nerudas Worte ein:
"Ich kann nur in meinem eigenen Land leben; ich kann nicht leben, ohne es mit Füßen, Händen und Ohren zu berühren, ohne den Kreislauf seiner Gewässer und Schatten zu fühlen, ohne zu spüren, wie meine Wurzeln im Schlamm die Muttersubstanzen suchen."
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Sendereihe
Playlist
Komponist/Komponistin: Johann Schobert/um 1735 - 1767
Album: Schobert : Quartette, Trios und Sonaten
* Andante - 1.Satz (00:07:23)
Titel: Trio für Klavier, Violine und Violoncello in F-Dur op.16 Nr.4
Solist/Solistin: Luciano Sgrizzi /Klavier < Pianoforte Fritz, Wien um 1820 >
Ausführende: Ensemble 415
Ausführender/Ausführende: Chiara Banchini /Violine
Ausführender/Ausführende: Philipp Bosbach /Violoncello
Länge: 02:00 min
Label: Harmonia Mundi HMC 901294
