Ö1 Kunstsonntag: Tonspuren

Tonspuren

"Der kaputte Flügel." Die Pianistin und Dichterin Elisabeth Mnazakanowa. Feature von Julia Solovieva

Seit ihr Flügel kaputt ist, nimmt die Einsamkeit zu. Elisabeth Mnazakanowa ist 90 Jahre alt. In Baku, Aserbaijan, geboren, hat sie am Moskauer Konservatorium Klavier und Musiktheorie studiert. Seit 1975 lebt sie in Wien. Sie ist Pianistin, Musikwissenschaftlerin, Dichterin, Übersetzerin und Dozentin für russische Literatur am Institut für Slawistik der Universität Wien.

Elisabeths Gedächtnis lässt nach, und sie vermisst ihren einzigen Sohn, der mit seiner Familie in Singapur lebt. Als junge Frau war sie mit Dmitrij Schostakowitsch, Mstislav Rostropowitsch und Sergej Prokofjew befreundet. Klassische und moderne Musik und ihre wichtigsten Protagonisten gehörten zu ihrem Leben. Sie übersetzte und schrieb selbst Gedichte, die Heinrich Böll 1974 in seiner Manteltasche aus der Sowjetunion herausschmuggelte. Ein Jahr darauf, in Wien angekommen, erhielt sie das aufbewahrte Manuskript zurück, setzte das Schreiben fort und begann am Institut für Slawistik der Universität Wien zu unterrichten - bis heute. Nur Klavierspielen wird Elisabeth vielleicht nie wieder: denn das Geld für die Reparatur des kaputten Flügels fehlt. (NDR 2013)

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