Hörbilder Spezial

Wien liegt am Mississippi.
Al Cook: The White King of Black Blues.
Feature von Ernst Weber

Al Cook ist der dienstälteste Bluesmusiker Österreichs: Er wird demnächst 70 und feiert sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Der Nichtraucher, Antialkoholiker und Drogenfeind beschreibt sich als Zeitgeistverweigerer, der im Stil der 1950er gekleidet ist: Gestreifter Anzug, Hemd mit Südstaatenmasche, pomadisierte Haartolle wie Elvis Presley. Seine Passion ist der archaische Blues des Mississippi Delta - eine beinahe ausgestorbene Musikform, die farbige Arbeiter auf Baumwollfeldern der USA entwickelten.

Al Cook heißt amtlich Alois Koch. Er ist in Bad Ischl geboren und im Arbeitermilieu in Wien-Landstraße aufgewachsen. Eigentlich möchte er Astronomie studieren, doch seine Eltern bestehen auf einer Lehre als Feinmechaniker. Der 15-Jährige will dem Arbeitermilieu entkommen - Musik erscheint ihm dafür das geeignete Mittel zu sein. Er entdeckt Elvis Presley und lernt Gitarre spielen, doch sein erster Bühnenauftritt endet in einer Katastrophe: In einer Zeit, da die Beatles für Furore sorgen, will man von Elvis Presley nichts mehr wissen. Nach dieser Erfahrung zieht sich Alois Koch erst einmal zurück - und entdeckt in dieser Zeit den Blues der Südstaaten. Mit seiner ersten Platte "Working Man Blues" macht der mittlerweile zu "Al Cook" transformierte Musiker 1970 auf sich aufmerksam. In Kellerlokalen wie dem legendären "Golden Gate Club" und dem "Jazzland" findet er das Publikum, das seinen Gesang würdigt.

Al Cook wird zum gefragten Musiker, der die Slide Gitarre und sämtliche Spielarten des Blues beherrscht, er macht diese Musikrichtung in Österreich salonfähig, gilt als der beste Bluesinterpret Europas. Der Autodidakt macht keine Konzessionen an die Musikindustrie - er bleibt dem puristischen Blues treu, auch wenn sich damit kommerzieller Erfolg in Grenzen hält. Sein Leben selbst ist eine Blues Story; in seinen Liedern besingt er seinen eigenen schwierigen Lebenskampf, Blues ist für ihn das Heilmittel, das ihn die Schwierigkeiten des Alltags ertragen lässt. In seinem urigen Kellerstudio nimmt er unverdrossen CDs auf. Trotz dreier Bypässe hält der Entertainer mit seiner Band das treue Publikum bei Konzerten in bester Laune.

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