Dimensionen

Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Das Märchen vom edlen Wilden und was davon übrig blieb
Das Überleben der indianischen Kulturen in Nordamerika
Gestaltung: Marlene Nowotny

Es hieß "Oklahoma State Run". Für die Siedler im südlichen Bundesstaat der USA war es eine einmalige Chance: Die Regierung der Vereinigen Staaten verschenkte 1889 Land. Wer am schnellsten eine Parzelle besetzte, konnte sie behalten. Die amerikanischen Ureinwohner/innen beobachteten das Spektakel, das mit Gewalt und Prügeleien endete, mit Angst. Denn das Areal war von Reservaten umgeben, in denen indianische Völker aus dem gesamten Staatsgebiet lebten. Insgesamt 67 Stämme wurden nach Oklahoma deportiert und trotz ihrer unterschiedlichen Kulturen auf engstem Raum untergebracht. Überall dort, wo sie weißen Siedlern im Weg waren, wurden sie zwangsumgesiedelt. Im Lauf der Zeit wurden die Indianer gedrängt, auch diese Reservate aufzugeben. Sie sollten sich assimilieren, die Länder in kleine Grundstücke aufgeteilt und von den amerikanischen Ureinwohnern als Farmer bewirtschaftet werden. 1907, Oklahoma wurde in diesem Jahr der 46. Bundesstaat der USA, waren alle Reservate aufgelöst. Die Indianer, die in den Jahren davor aus allen Teilen des Landes nach Oklahoma gebracht wurden, waren bald nur mehr eine Minderheit im Bundesstaat, ohne Chance auf eine selbstgewählte Zukunft.

Der Schriftsteller Gerald Vizenor hat in seinen mehr als 40 Büchern unter anderem das Überleben der Amerikanischen Ureinwohner/innen und den Fortbestand ihrer Kultur unter widrigen Umständen thematisiert. Als Journalist und Professor für Amerikanische Studien an der Universität Berkely hat er den Begriff der "kulturellen Schizophrenie" geprägt, der die Zerrissenheit vieler nordamerikanischer Ureinwohner/innen zwischen der ursprünglichen Kultur ihrer Vorfahren und der dominanten US-amerikanischen Lebensweise beschreibt. Das Institut für Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Wien hat die Erinnerungskultur der nordamerikanischen Ureinwohner/innen und das Werk Gerald Vizenors in den Mittelpunkt einer internationalen Konferenz gestellt.

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