Vom Leben der Natur

Vom Leben der Natur

Schöpfungsvögel und Todesboten. Der Biologe und Publizist Cord Riechelmann erzählt über das ambivalente Verhältnis des Menschen zu Krähen und Raben.
Teil 4: Räuber der eigenen Art.
Gestaltung: Nicole Dietrich

Krähen und Raben gehören neben Elstern und Eichelhähern zur rund 120 Arten zählenden Familie der Rabenvögel, lat. Corvidae. Ihre Intelligenz ist bekannt. Sie verstecken und klauen Futter, sind trickreiche, aufmerksame Beobachter und punkten mit einem sehr guten Gedächtnis, das sie Futterplätze über Monate speichern lässt. Erstmals konnten britische Wissenschaftler 2002 bei einer Krähe ("Betty") gar den Gebrauch von Werkzeug nachweisen - eine Fähigkeit, die bislang nur bei Primaten, u.a. Schimpansen, verzeichnet war.

In der westlichen Welt verfolgt sie seit Jahrhunderten ein schlechtes Image. Sie gelten als mysteriöse und unheimliche Boten des Winters und des Todes. Das lässt sich u.a. aus der massenhaften Präsenz von Zugvögeln wie den Saatkrähen in vielen Städten erklären, die in den gemäßigteren Klimazonen überwintern. Außerdem sind sie Aasfresser und mit der Entwicklung technischer Methoden der Aas- und Abfallbeseitigung, war der Dienst von Krähen und Geiern nicht mehr gefragt, die Vögel wurden kulturell mit Angst und Tod assoziiert. Wenngleich sie in Schöpfungsmythen indigener Bevölkerungsgruppen prominente Rollen einnehmen, hatte diese Stigmatisierung in Europa und den USA eine massive Bejagung zur Folge. In den USA, Deutschland oder Polen wurden Krähen und Kolkraben beinahe ausgerottet.

Service

INTERVIEWPARTNER:

Dipl. Biol. Cord Riechelmann
Berlin

Cord Riechelmann: "Krähen", Matthes & Seitz, Berlin 2013

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