Radiokolleg

Radiokolleg - Die Vierte Macht

Über die Verantwortung des Journalismus in der Gesellschaft
(1). Gestaltung: Tanja Malle

Finanzierung, Vertriebswege und Reichweiten stehen im Fokus der Debatte über die Zukunft der Medien. Nur selten wird in diesem Zusammenhang der Wert des Journalismus für die Gesellschaft diskutiert. Im 19. Jahrhundert, als sich Zeitungen rasant zu verbreiten begannen, wurde der Presse der Beiname "die vierte Gewalt" zuteil. Neben Regierung, Parlament und Gerichten würden Medien das gesellschaftliche Geschehen entscheidend beeinflussen und kontrollieren, so die Theorie.
Aktuell scheint es, dass die Vierte Macht der ihr zugeschriebenen Rolle immer seltener gerecht werden kann. Das hat verschiedene Gründe.

Die PR-Abteilungen von Konzernen und Regierungen wuchern - so haben die Tageszeitungen Kurier, Der Standard und Die Presse zusammen weniger Innenpolitik-Redakteure, als die Bundesregierung Pressesprecher hat - die Pressestellen der Ministerien nicht mitgezählt. Ein weiterer Trend ist der permanente digitale Wandel, dem die Medienlandschaft seit dem Siegeszug des Internet unterworfen ist. Viele sehen sich gezwungen, ihre Inhalte gratis im Netz zu vertreiben und in Soziale Netzwerke auszulagern, wo sie sich den Geschäftsbedingungen und Algorithmen der Internet-Giganten beugen müssen. Ein zusätzliches Problem ist die Einschränkung der Medienfreiheit durch diverse Regierungen. Selbst in den 57 OSZE-Ländern, die sich als "Club der Demokratien" verstehen, ist die Lage nur am Papier ideal und in der Realität desaströs, so Dunja Mijatovi?, die Beauftragte für Medienfreiheit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Das heißt: Medien können ihre eigentliche Aufgabe, die Gesellschaft unabhängig und uneingeschränkt zu informieren, nicht hundertprozentig wahrnehmen. Das gilt insbesondere für Blogger, Stringer und Freie Journalist/innen, die rechtlich weitaus weniger geschützt sind, als ihre Kolleg/innen, die bei großen Medienhäusern angestellt sind.

In den vergangenen Jahren haben sich Angebote heraus gebildet, die versuchen, die gesellschaftliche Relevanz des Journalismus zu stärken, bzw. seine Rolle einzunehmen. Beispiele dafür sind Aktivisten, Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen, die entweder selbst kritische Berichte publizieren, bzw. Journalist/innen finanziell unterstützen. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch eine Novelle der Presseförderung diskutiert. In Österreich liegt dazu seit Jahren eine Studie des mittlerweile verstorbenen Kommunikationswissenschaftlers Hannes Haas vor, die bisher allerdings nicht vom dafür zuständigen Bundeskanzleramt in die Tat umgesetzt wird. Und das, obwohl das BKA diese in Auftrag gegeben hat. Das Radiokolleg fragt nach der gesellschaftlichen Relevanz von Journalismus und danach, wie man seine Bedeutung und das Vertrauen in ihn stärken könnte.

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