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Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Ukraine: Imperialer Blick und Selbstreflexion.
Gestaltung: Brigitte Voykowitsch

Karl Schlögel zählt zu jenen kritischen Osteuropahistorikern, die ihre frühere Perspektive heute hinterfragen. Er reiste seit den 1960er Jahren immer wieder in die Ukraine, doch solange die Sowjetunion bestand, reiste er in die Ukraine als sowjetische Provinz. Auch nach dem Ende der Sowjetunion herrschte in der deutschen Osteuropa-Forschung zunächst weiterhin der imperiale Blick vor. Man tendierte dazu, die Sicht Moskaus zu übernehmen. An der Wiener Universität wurde dann einer der ersten Ukraine-Schwerpunkte verankert.

Doch vielerorts - und gerade auch in der Politik - steht "der Russe" weiterhin für den Sowjetmenschen. Das hat schwerwiegende Folgen für die Aufarbeitung der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Beim Angriff von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion wird dann übersehen, dass ein Großteil der Verbrechen auf ukrainischem und weißrussischem Gebiet verübt wurde. Auch zum Verständnis der aktuellen Ereignisse ist ein differenzierter Blick nötig. Wenn heute im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland Begriffe wie Faschisten und Nationalisten Konjunktur haben, dann wird das nur vor dem Hintergrund der russischen und ukrainischen Geschichte verständlich.

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