Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Drilling gegen Flush. Mit Poker entwickeln Forscher künstliche Intelligenz weiter. Gestaltung: Madeleine Amberger

Von Anfang an waren Spiele mit der Entwicklung von künstlicher Intelligenz untrennbar verbunden. Als Spiel der ersten Wahl galt Schach, das sprichwörtliche Spiel der Könige. Schon der Vater des modernen Computers, Alan Turing, schrieb Schachprogramme, um seine Ideen und Theorien zu testen. Der große Augenblick von Mensch gegen Computer schlug in den 1990er-Jahren: Der IBM-Computer Deep Blue besiegte den russischen Schachweltmeister Garri Kasparow.

Poker stellte die Forscher jahrzehntelang vor Herausforderungen. Denn während bei Schach alle Figuren sichtbar sind, kennt man beim Poker die verdeckten Karten des Gegners nicht. Entscheidungen basieren also auf unvollständigen Informationen. Forscher der seit 20 Jahren bestehenden Computer Research Group an der University of Alberta in Kanada konnten kürzlich melden, dass das Programm Cepheus eine Pokervariante nahezu perfekt beherrscht. Weniger eindeutig ist das Ergebnis für Claudico, ein an der Carnegie Mellon University in Pennsylvania entwickeltes AI-Programm zu einer etwas anderen Pokervariante. Im Frühjahr 2015 spielte Claudico erstmals gegen vier der besten Pokerprofis. Die Erkenntnisse darüber, wie man aus einem Computer einen perfekten Pokerspieler macht, beschränken sich freilich nicht allein auf den grünen Filz, betonen die Forscher. Die mathematischen Fortschritte seien auch anderweitig anwendbar. Denn sowohl im Sicherheitsbereich als auch in der Medizin gibt es häufig Situationen, in denen Polizisten oder Medizinern nicht alle Informationen zur Verfügung stehen.

Sendereihe