Leporello

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"Slow Light": Ausstellung Siegrun Appelt im Schloss Spitz

Die Künstlerin Siegrun Appelt zeigt unter dem Titel "Slow Light" ab 26. September im Schloss Spitz Fotos von jenen Lichtkonzepten, die sie für Wachauer Gemeinden entwickelt und vor einem Jahr fertiggestellt hat. Damit wurden im Rahmen von "Wachau 2010+" und in Kooperation mit "Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich" Promenaden, Viadukte oder Kirchen nach formal-ästhetischen Gesichtspunkten neu beleuchtet. Die dadurch veränderte Optik ist in der Ausstellung mit vorher-nachher Bildern dokumentiert. Dabei wird augenscheinlich, dass zu grelles Licht in die Umgebung abstrahlt und gerade ein Weniger an Licht die architektonischen Besonderheiten von Gebäuden oder Kirchen in ihrer ästhetischen Form wahrnehmbar macht.

Neben den Objektfotos sind in der Schau auch Bilder von Lichtphänomenen zu sehen, die Siegrun Appelt fotografisch festgehalten hat. Etwa Autoscheinwerfer, die von den Straßen entlang der Donau durch Bäume und Sträucher blitzen. Auf einem anderen Bild ist der Friedhof von Emmersdorf zu sehen. Ruhig und mystisch in das Schattenspiel der Nacht getaucht, funkeln ab und zu Grablichter wie Sterne am Firmament. Im Hintergrund strahlt Stift Melk hell beleuchtet in alle Richtungen gen Himmel - ein effektvoller Kontrast, der sich bei ähnlicher Beleuchtung im urbanen Umfeld wohl kaum ergeben würde. Zu aggressiv, zu omnipräsent, zu inflationär wird hier intensiv schnelles Licht gestreut.

Bei der Ausstellung im Schloss Spitz nützt Siegrun Appelt drei sakral anmutende Räume im Kellergewölbe zur Demonstration, wie sich langsames Licht anfühlt. Neben der Präsentation ihrer schlichten Objekt-Fotografien und einem Video über die Entstehung der Objekt-Beleuchtungen, bespielt sie einen Raum mit einer originären Installation mit Kerzenlicht. Der dazugehörige Kronleuchter wurde eigens dafür von Glasbläsern im böhmischen Novy Bor gefertigt. Damit weist Siegrun Appelt zusätzlich darauf hin, dass industrielle Erzeugung das Glasbläser-Handwerk verdrängt und Arbeitswelten verändert. Eine Thematik, die ebenso gut zum diesjährigen UNESCO-Jahr des Lichts passt. Immerhin schafft Licht die Voraussetzung, auch nachts zu arbeiten.

Die Auswirkung künstlicher Beleuchtung auf Körper, Gesellschaft und Natur, wird im November im Stift Melk bei dem Symposium "Licht / Macht / Zeit und Raum" diskutiert. Eine Veranstaltung, bei der Siegrun Appelt Wissenschaftler verschiedener Bereiche an einem Tisch versammelt, um gemeinsam Licht-Lösungen zu finden. Sind doch Klimawandel und Lichtverschmutzung längst gute Gründe, sich im Sinne von Energieeffizienz und Nachhaltigkeit neu zu orientieren und von schnellem auf langsames Licht umzusteigen. Bei Tag natürliches, bei Nacht innovative und energieeffiziente Technologien in ihrem breiten Spektrum, aber doch sparsam und klug zu nützen. Siegrun Appelt veranschaulicht diese Philosophie, indem sie beispielsweise Kirchen mit LEDs von außen beleuchtet. Damit konnte sie nicht nur neue Lichtkonzepte realisieren, sondern zugleich eine Energieersparnis von 90% erreichen.- Gestaltung: Ursula Mürling-Darrer

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