Radiokolleg - Generation Erben

Das Vermächtnis des Wirtschaftswunders (2).
Gestaltung: Johannes Gelich

17 Milliarden Euro werden in Österreich jährlich an reinem Geldvermögen vererbt, weitere zehn Milliarden an Immobilienwerten gehen jährlich von einer Generation auf die andere über. Und das alles steuerschonend, da die Schenkungs- und Erbschaftssteuer 2008 abgeschafft wurde.

Die Diskussion um Vermögenssteuern löst immer wieder hitzige Debatten aus, wird Österreich doch hinter vorgehaltener Hand als Steuerparadies für Erben bezeichnet. Während die Steuern auf Vermögen in den vergangenen Jahrzehnten rapide sanken, kletterten die Immobilienpreise in ungeahnte Höhen. Doch mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich wird auch jenes demokratische Grundprinzip untergraben, laut dem soziale Ungleichheit durch Bildung, eigene Leistung und Arbeit wettgemacht werden könnte.

Zählen zunehmend wieder mehr der Status der Eltern und nicht der eigene Fleiß oder kreative Ideen, die in eine sozial mobile Gesellschaft eingebracht werden könnten? Bewegen sich die westlichen Demokratien schleichend von meritokratischen hin zu Rentiersgesellschaften, wie es der Ökonom Thomas Piketty in seinem Monumentalwerk "Das Kapital im 21. Jahrhundert" beschwört? Selbst der Milliardär Warren Buffett warnte im Jahr 2007, als George W. Bush die Erbschaftssteuer kippen wollte, die USA liefen Gefahr, zu einer dynastischen Plutokratie zu werden. Doch auch so mancher reiche Erbe in Österreich hält es nicht für erstrebenswert, sein Leben als Rentner und Couch-Potato à la Oblomow zu fristen.

Johannes Gelich machte sich auf die beschwerliche Suche nach Erben, die über ihre finanziellen und privaten Verhältnisse öffentlich Auskunft geben. Über Geld spricht man bekanntlich nicht, und noch weniger über das ererbte Vermögen, und doch entscheidet das Erbe zunehmend über Glück, Wohlstand und Gesellschaftsstatus des Einzelnen. Aber sind die reichen Erben tatsächlich die glücklicheren Menschen, vor allem wenn um die Erbschaften verbitterte Streitigkeiten ausbrechen und aus Erben Erbkrieger werden? Ist nicht längst ein Erbkrieg um die Früchte des Wirtschaftswunders ausgebrochen, und wie könnten individuelle und gesellschaftliche Konzepte aussehen, um diesen Generationenkonflikt zu entschärfen?

Service

Thomas Piketty: "Das Kapital im 21. Jahrhundert", C.H.Beck, 2015

Julia Friedrichs: "Wir Erben - Was Geld aus Menschen macht", berlin Verlag, 2015

Honoré de Balzac: "Vater Goriot", Fischer, 2008

Gustave Flaubert: "Die Erziehung der Gefühle: Geschichte eines jungen Mannes", Fischer, 2010

Fjodor Dostojewskij: "Der Spieler", Fischer, 2011

Gertrude Brinek: "Vom wahren Leben im Rechtsstaat - Aufzeichnungen einer Volksanwältin", styria premium, 2012

Roland Girtler: Die feinen Leute, Böhlau, 2002

Fessler, P. und Schürz, M.: "Private Wealth Across European Countries: The Role of Income, Inheritance and the Welfare State". ECB Working Paper Series 2015
ECB publications

Christoph Reinprecht, Gerhard Paulinger: "Haben und Nichthaben in der Vermögensgeselllschaft. Vermögensarten und Vermögenstypen: Eine Auswertung des European Household Finance and Consumption Survey (HFCS)", 2015
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