Möwen

ORF/EDGAR SCHÜTZ

Da capo: Ambiente

Reisen mit Ö1. Ambiente Spezial: Entlang der "Ruta de la Camelia" durch Spaniens grüne Ecke. Eine Ö1 Reise nach Galicien, akustisch dokumentiert von Edgar Schütz.
Redaktion: Ursula Burkert

In Spaniens Nordwesten blühen nicht nur Kamelien, es gedeihen auch Legenden und die Erinnerung an literarische Größen wie Rosalia de Castro und Camilo José Cela. Die Region Galicien in der nordwestlichen Ecke der Iberischen Halbinsel entspricht so gar nicht den Klischees, die zu Spanien gerne gepflegt werden. Hier wird eine eigene Sprache gesprochen, das dem Portugiesischen verwandte "Gallego". Und die Landschaft ist selbst im Hochsommer von einem satten Grün geprägt, sodass sich Besucher/innen hier eher in Mitteleuropa oder in Irland als im Süden wähnen. Dass das Klima in dem nördlich von Portugal gelegenen Gebiet sehr niederschlagsreich ist und der Atlantik zudem recht kalt, hat zur Folge, dass selbst wunderschöne, oft idyllisch hinter Dünen versteckte Sandstrände weder überlaufen noch mit Hotels verbaut sind.

Die Noblesse wohnte einst in sogenannten "Pazos", rustikalen Landhäusern, die im Lauf der Jahrhunderte oft zu kleinen Palästen mutierten. Typisch für diese "Pazos" sind botanische Gärten, in denen verschiedenste Kamelien-Arten gedeihen und im milden Winter zu einer die Sinne betörenden Hochblüte auflaufen. Entlang der "Ruta de la Camelia" können sie besichtigt werden. Der Pazo de Rubians zum Beispiel kann auf eine über 600-jährige Geschichte zurückblicken; einer seiner Besitzer war dereinst sogar Vizekönig von Peru.

Verbindungen zu Lateinamerika finden sich auch im Pazo de Soutomaior. Hier wohnte und herrschte im 15. Jahrhundert Pedro Madruga. Der Adelige war ein strammer Krieger, der auch im Kampf gegen aufständische Landarbeiter keine Gnade zeigte. In Galicien ist er aber aus einem anderen Grund sehr bekannt: Es gibt Historiker, die meinen, dass Madruga in Wahrheit Christoph Kolumbus war.

Gesichertere historische Daten liegen hingegen bezüglich zweier Ikonen der galicischen und spanischen Literatur vor: Rosalía de Castro (1837 - 1885) und Camilo José Cela (1916 - 2002). Beide verbrachten Teile ihres Lebens in der Kleinstadt Padrón, wo sich heute Gedenkstätten befinden. Dort lässt sich in Erfahrung bringen, dass Rosalía de Castro nicht nur eine Schutzpatronin der galicischen Sprache war, sondern auch eine Vorreiterin für die Emanzipation der Frauen. Und Camilo José Cela mischte die spanische Gesellschaft zu Zeiten des tiefsten Franquismus als Protagonist des "dunklen Realismus" mit sozialkritischen Romanen wie "Pascual Duartes Familie" und "Der Bienenkorb" gehörig auf. Daher waren seine Bücher zeitweilig auch von der Zensur verboten. Kritiker warfen ihm dennoch vor, sich mit dem Regime von Francisco Franco zumindest arrangiert zu haben. Dass ihm 1989 der Literaturnobelpreis verliehen wurde, war daher auch nicht unumstritten.

Service

Literatur:

Tobias Bücher: Galicien & Jakobsweg - DuMont-Reisetaschenbuch, Ostfildern, 2014.

Camilo José Cela: Der Bienenkorb. Auf Deutsch nur archivarisch erhältlich.

Spanisch: La Colmena. Edición conmemorativa. Madrid, 2016.

Rosalía de Castro: An den Ufern des Sar. Gedichte. Auf Deutsch nur archivarisch erhältlich.
Spanisch/Galicisch: En las orillas del Sar (Letras Hispánicas). Madrid, 2014.

Projekt für Übersetzungen von Rosalia de Castro

Links:

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Walfischg 8/14
A-1010 Wien.
Tel. +43 15129580-11.
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Galicien-Tourismus

Geführte Ö1 Garten- und Genussreisen entlang der Ruta de la Camelia in Galicien finden von 14.-19.3.2017 und 17.-22.4.2017 statt.
Weitere Informationen: Oliva Reisen
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