Raucherzeichen

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Radiokolleg - Sucht und Partnerschaft

Das Trennende gemeinsamer Abhängigkeit (2). Gestaltung: Christa Nebenführ

Sie hat sich einen unnötig teuren Mantel gekauft, also verspielt er nun einen Batzen Geld im Casino. Er ist Kettenraucher, was sie unendlich nervt und es nur aushält indem sie auch raucht. Wenn sie aber raucht, trinkt sie gerne dazu Alkohol. Seiner Meinung zuviel. Trotzdem schenkt er ihr immer wieder nach. Dann ist sie nämlich entspannt und schimpft nicht über sein Rauchen und außerdem hat er ein Argument für die Zukunft, dass sie schließlich auch ein Abhängigkeitsproblem habe.
Es gibt viele Möglichkeiten, eine/n andere/n zu suchtförderndem Verhalten zu animieren, beispielsweise indem eine Runde alkoholischer Getränke "geschmissen" oder indem ein "beruhigender" Substanzvorrat bereitgestellt wird.

Partnerschaft und Sucht werden überwiegend im Zusammenhang von Abhängigkeit und Co-Abhängigkeit behandelt, also in Konstellationen, in welchen ein/e Partner/in ein substanzgebundenes oder substanzungebundenes Suchtverhalten an den Tag legt und der/die andere dieses durch unbewusste Strategien unterstützt. Die Verflechtung von Sucht und Partnerschaft ist aber um vieles komplexer. Die Sucht ist gewissermaßen immer der Dritte im Bunde.

Man könnte auch sagen: Was viele Paare trennt, ist die gemeinsame Sucht.
Einsamkeit birgt ein besonders großes Risiko für Substanzabhängigkeit, Partnerschaften wirken hingegen prinzipiell stabilisierend. Die Partnerschaft zweier ehemaliger Substanzabhängiger birgt aber immer die Gefahr, eines gemeinsamen Rückfalls.

Bei der Sucht- und Drogenkoordination der Stadt Wien gibt es mit der Suchthilfe, dem Anton Proksch-Institut und dem niederschwelligen Angebot "Change" mehrere Anlaufstellen für Menschen mit Suchtproblemen. Ebenso führt die Stadt Wien mehrere Institute für Paar- und Familientherapie, deren Klienten beim Verdacht einer Suchtproblematik an das Anton Proksch-Institut weiter verwiesen werden. Wie notwendig und sinnvoll ist diese strikte Trennung der Zuständigkeitsbereiche?

Christa Nebenführ hat in Interviews mit Mitarbeitern, Fachleuten, Klienten und anderen Betroffenen nachgefragt, in welchem Rahmen auf den Einfluss einer partnerschaftlichen Beziehung auf das Suchtverhalten geachtet und eingegangen wird. Zur Sprache kommt dabei auch das Spannungsfeld von Verschmelzungs- und Verlassenheitsangst in Partnerschaften, in denen beide entweder eine Suchtgeschichte hinter sich haben oder sich aktuell in einer solchen befinden.

Service

Lorenz Gallmetzer: Süchtig. Von Alkohol bis Glückspiel. Abhängige erzählen, Kremayr & Scheriau 2016
Körkel, Gehring u.a.: Zieloffene Suchtarbeit mit alkoholabhängigen Wohnungslosen. Das Projekt "WALK". In: Fachverband Sucht (Hrsg.): Perspektiven für Suchtkranke. Teilhabe fördern, fordern, sichern, Verlag Geesthacht: Neuland 2005
Alcoholics Anonymous World Services, Inc.: Twelve Steps and Twelve Traditions, 1995

Anonyme Alkoholiker Wien
Suchthilfe Wien
dialog - Individuelle Suchthilfe
Anton Proksch Institut

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