Die Narkose

Holzhammer bis Hightech (4). Gestaltung: Barbara Zeithammer

Der "Äthertag von Boston", der 16. Oktober 1846, sollte die moderne Medizin revolutionieren. An diesem Tag wagte der Zahnarzt William Morton die erste öffentliche Vollnarkose und demonstrierte bei einer Operation, dass Äther das Schmerzempfinden ausschaltet und sich der Patient nicht an den chirurgischen Eingriff erinnern kann. Erfolgreiche Anästhesien waren zuvor schon anderen gelungen, aber Morton publizierte sein Vorgehen und ging in die Geschichte ein - ebenso wie die Worte des vorsitzenden Chirurgen: "Gentlemen, this is no humbug".

Bis in das 19. Jahrhundert waren chirurgische Eingriffe äußerst riskant und grausam: eine Vollnarkose war nicht möglich; Patienten wurden mehr oder weniger erfolgreich mit Pflanzenauszügen betäubt, mit einem gezielten Holzhammerschlag gegen den mit einem Helm geschützten Kopf bewusstlos geschlagen, oder ihnen so lange die Halsschlagader abgedrückt, bis sie ohnmächtig wurden.
Heute wird die Narkose (altgriechisch, "erstarren"), die Operationen überhaupt möglich macht, meist durch eine Mischung unterschiedlicher Stoffe erreicht.

Die Vielfalt der Anästhetika und ihrer Wirkungen sind verblüffend und das Spektrum der Anästhesie reicht von der lokalen Betäubung bis zum künstlichen Koma. Die klassische Vollnarkose, einst als "tiefer Schlaf" bezeichnet, ist, wie man heute weiß, kein Schlafzustand, und wird als "vorübergehende Ausschaltung des Bewusstseins mit fehlendem Schmerzempfinden" beschrieben. Doch erst langsam beginnen Wissenschafter/innen zu verstehen, was bei einer Narkose im Gehirn und im Körper eigentlich passiert. Denn ein zentrales Narkosezentrum im Gehirn - vergleichbar mit dem Atemzentrum - gibt es nicht.

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