Mustafa Kemal Pascha - bekannt als Atatürk

Mustafa Kemal Pascha - genannt Atatürk. Der Vater der Türken. Mit Markus Kohbach, Turkologe, Institut für Orientalistik.
Gestaltung: Martin Adel

Was unterscheidet eigentlich den derzeitigen Staatspräsidenten der Türkei vom legendären Kemal Atatürk, dem "Vater der Türken"? In den Methoden der Machterlangung und des Machterhalts kaum etwas, aber umso mehr im politischen Programm, das er seinem Staat vorgibt.

Als Mustafa Kemal 1881 in Thessaloniki geboren wurde, war das Osmanische Reich noch ein mächtiger Vielvölkerstaat - wie die Donaumonarchie, nur deutlich größer, aber ebenso ein "kranker Riese". Schon in jungen Jahren strebte der ehrgeizige Mustafa Kemal über eine steile militärische Karriere nach einer Führungsrolle in der jungtürkischen Oppositionsbewegung, die hauptsächlich in Kreisen des Militärs eine Reorganisation der türkischen Gesellschaft im Auge hatte.

Der Zerfallsprozess des Osmanischen Reichs nach dem 1. Weltkrieg bot diese Chance: Der Friedensvertrag von Sèvres (1920) hatte dem regierenden Sultan Mehmed VI. aufgezwungen, den Alliierten auch noch weitgehende Kontrolle über den verbliebenen osmanischen "Reststaat" zuzugestehen. Das war die Stunde Mustafa Kemals: In Ankara wurde eine "Nationalversammlung" (quasi als Gegenregierung) einberufen, die ihm zunächst den Oberbefehl in den "Befreiungskriegen" übertrug und nach seinem endgültigen Sieg auch das Amt des Präsidenten (Okt. 1923).

Der Vertrag von Sèvres war hinfällig, ein provisorisches Sultanat in eine Republik umgewandelt sowie auch völkerrechtlich (weitestgehend in den heutigen Grenzen) etabliert worden. Mit im Vergleich zu westlichen Demokratien ungemeiner Machtfülle ausgestattet und gestützt auf das Militär, verfolgte der Präsident insbesondere die Leitlinien eines unbedingten Laizismus und Republikanismus sowie eine türkische Nationalstaatsidee, in der Minderheiten keinen Platz oder nichts zu lachen hatten.

Auch Widerstände gegen den radikalen Umbau der Gesellschaft im Sinne der Modernisierung (Alphabetisierung, aktives und passives Wahlrecht der Frauen etc.) wurden mit äußerster Härte geahndet. 1934 nahm Mustafa Kemal den Ehrennamen Atatürk, Vater der Türken, in Anspruch; er herrschte mit diktatorischer Hand "zum Wohle des Volks". Diktaturen hatten aber auch Konjunktur um diese Zeit. Als er 1938 starb hatte er jedenfalls das alte Osmanische Reich zu einer modernen Türkei umgestaltet und dafür anhaltenden Respekt und Beifall der Welt geerntet.

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