Schauplatz Lawinenrinne

Ein Hotspot der Artenvielfalt.
Mit dem Biologen Alexander Maringer in einer steilen Lawinenrinne im Nationalpark Gesäuse.
Teil 2: Eine Oase für Schmetterlinge.
Gestaltung: Wolfgang Bauer

Lawinenabgänge werden meistens als Naturkatastrophen betrachtet, Lawinenrinnen als Bahnen für die gefährlichen Schneemassen gesehen. Doch so manche Steilrinne, die im Winter als lawinengefährlich gilt, entpuppt sich im Sommer als Hotspot für eine artenreiche Fauna und Flora.

So verhält es sich zum Beispiel mit dem Kalktal bei Hieflau am Ostrand des Nationalparks Gesäuse. Diese Steilrinne auf der Südseite des Tamischbachturms (2035 m) war bereits mehrmals Schauplatz großer Schadenslawinen. Daher schützt seit Jahrzehnten eine Lawinengalerie in der Nähe des Bahnhofs Hieflau die Geleise der Eisenbahn und die Gesäuse-Bundesstraße vor etwaigen Schneemassen aus dem Kalktal.

Weiter oben zählt diese Steilrinne jedoch zu den artenreichsten Gebieten im Nationalpark Gesäuse. So stellt das Kalktal zum Beispiel eine wahre Oase für Schmetterlinge dar. An die 700 Schmetterlingsarten wurden dort festgestellt - was unter anderem am günstigen Mikroklima in der Rinne liegt. Sie ist nach Süden ausgerichtet und bietet überaus warme Bedingungen. Ein Höhenunterschied von 1500 Höhenmetern vom Gipfelbereich des Tamischbachturms bis hinunter zur Enns - und das auf kürzester Distanz - ermöglicht den Schmetterlingen an schönen Sommertagen ein problemloses Driften mit der Thermik von unten nach oben. Fallwinde wiederum können den seltenen Apollofalter, den Birkenspanner oder den Brombeerspinner in kürzester Zeit nach unten verschleppen. Reptilien wie Kreuzottern, Schlingnattern oder Heuschrecken - wie die akustisch interessante Schnarrschrecke - haben sich an das Leben in der Steilheit bestens angepasst.

Angepasst sind auch die Legbuchen an den Rändern der Lawinenrinne. Während die Rinne selbst durch die häufigen Lawinenabgänge praktisch ohne Bäume ist, können die Buchen am Rande den Lawinenabgängen und dem Schneedruck standhalten, indem sie die Äste talwärts "legen". Wie es auch die Legföhren machen, die man als "Latschen" kennt.

Da - wie bereits erwähnt - im Bereich der Enns die Infrastruktur durch technische Vorkehrungen vor Lawinen geschützt ist, können sich in der Lawinenrinne selbst die Naturprozesse ungestört entfalten - was die Artenvielfalt in der Rinne begünstigt.




Service

INTERVIEWPARTNER:

Mag. Alexander Maringer
Fachassistent im Fachbereich Naturschutz / Naturraum
Nationalpark Gesäuse


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