Bertie Ahern, George Mitchell und Tony Blair

AFP/DAN CHUNG

Nordirlands schwelender Konflikt

20 Jahre Karfreitagsabkommen. Mit Dieter Reinisch, Wissenschafter am Department of History and Civilization am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz.
Gestaltung: Daphne Hruby

Am 10. April 1998 wurden geschichtsträchtige Unterschriften gesetzt. An diesem Tag konnten sich die Regierungen von Großbritannien und der Republik Irland sowie die Parteien Nordirlands auf das Karfreitagsabkommen einigen. Damit wurde ein blutiger Konflikt beendet, der die Grüne Insel und Großbritannien Jahrzehnte in Schockstarre gehalten und mehre tausend Todesopfer gekostet hatte.

Die Wurzeln des Nordirlandkonflikts reichen aber viel weiter in die Vergangenheit zurück. Im Jahr 1916 griffen die politische Bewegung "Sinn Féin" und die "Irish Republican Army - IRA" im Zuge des Osteraufstands zu den Waffen, um die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien zu erkämpfen. Das Königreich schlug die Proteste zwar nieder, konnte aber nicht verhindern, dass sich der "Freistaat" Irland sechs Jahre später für unabhängig erklärte. Das galt allerdings nur für den Süden, der Norden Irlands blieb Teil Großbritanniens.

Auch der Konflikt ging weiter. In den folgenden Jahren begann er sich immer mehr, entlang konfessioneller Grenzen zu entladen. Während sich die Protestanten zu einem Vereinigten Königreich bekannten, strebten die Katholiken eine gemeinsame Republik Irland an. Beide Seiten hatten auch ihre paramilitärischen Verbände. Die "IRA" kämpfte auf Seiten der Irland-Getreuen, die "Ulster Volunteer Force - UVF" für die britischen Unionisten.

Ab 1969 begann die Situation immer brenzliger zu werden, um schließlich, 1972, am "Bloody Sunday" zu eskalieren. Bei einer Bürgerrechts-Demonstration in der nordirischen Stadt Derry wurden 14 unbewaffnete Menschen von britischen Soldaten erschossen. Als Antwort wurde deren militärisches Hauptquartier Ziel eines Bombenanschlags der "IRA", bei dem erneut Zivillisten zu Tode kamen.

Erst das Karfreitagsabkommen konnte 1998 einen Schlussstrich unter die Gewaltspirale ziehen. Der Konflikt brodelt aber weiter. Die protestantisch-unionistische "Democratic Unionist Party - DUP" und die katholisch-republikanische "Sinn Féin"-Partei streiten bis heute - wenn auch auf politischer Ebene. Das "Brexit"-Votum der Briten hat das Ganze noch verschärft. Denn bald könnte aus der weichen grünen Grenze zwischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland wieder eine hart-kontrollierte werden.

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