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Ö1 Kunstsonntag: Radiokunst - Kunstradio

Was Utopie ist.
Elektro-philosophische Odyssee. Von Sillyconductor und Dorothee Frank, basierend auf literarischen und philosophischen Textfragmenten rund um Utopien und Dystopien.

"Was Utopie ist, als was Utopie vorgestellt werden kann, ja, das ist die Veränderung des Ganzen. Mir will es so vorkommen, als ob das, was subjektiv, dem Bewusstsein nach, den Menschen abhanden gekommen ist, die Fähigkeit ist, ganz einfach das Ganze sich vorzustellen als etwas, was völlig anders sein könnte. Dass die Menschen vereidigt sind auf die Welt, wie sie ist": so beginnt Theodor W. Adornos Diagnose moderner Utopienlosigkeit. Adornos unnachahmliche Denkfiguren (aus einem Südwestfunk-Studiogespräch 1964) erklingen im Originalton in den ersten Minuten der Kunstradio-Produktion "Was Utopie ist".

Die Geschichte der Utopien steckt uns mentalitätsgeschichtlich bis heute in den Knochen. Nicht erst die gescheiterten Utopien des 20. Jahrhunderts mit ihren Macht- und Kontrollfantasien geistern als Wiedergänger durch die gegenwärtige politische Praxis. Andererseits erstarkt ein gegenläufiges utopisches Denken, dass sich verabschiedet von top down implementierten Total-Entwürfen und der naturvergessenen Hybris des Träumens vom Neuen Menschen. "Jetzt müssen wir an quasi realistischen Utopien arbeiten. Wir müssen verstehen, wer wir wirklich sind" - sagt die bildende Künstlerin Maria Papadimitriou im Hörstück des Bukarester Elektronikmusikers Sillyconductor und der Ö1-Sendungsmacherin Dorothee Frank.

"Was Utopie ist" bricht auf zu einer Odyssee auf den Wellen der pulsierenden, charismatischen Sounds von Sillyconductor. Dorothee Frank kombiniert zwei verschiedene Textstränge: Von ihr geschriebene "Hörfotos" nach Fotoarbeiten des bildenden Künstlers Ben Gyula Fodor; und knappe Passagen aus utopischer Literatur und Philosophie. Kafka trifft Beckett in Skepsis und Hoffnung; Jewgenij Samjatin denkt in dem dystopischen Roman "Wir" die höchst ambivalenten Gesellschaftsentwürfe eines Platon oder Thomas Morus weiter bis zum bitteren Ende. Deleuze / Guatarri oder Michel Serres unterlaufen jedoch - wie schon "anarchisch" denkende Renaissance- und Barockschriftsteller - die Rigidität jenes Denkens und feiern eine befreite, irreguläre utopische Energie jenseits von Mauern und Schranken.
Christiane von Poelnitz und Gerti Drassl sprechen die Zitate der (männlichen) Autoren, Karl Markovics präsentiert die Hörfotos.

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