Chronistin der Moderne

Herstory - die erste promovierte Musikwissenschafterin Österreichs, Elsa Bienenfeld. Gestaltung: Irene Suchy

Sie kommentierte das österreichische Theater- und Musikleben in mehr als 1.000 Feuilletons, sie war Schülerin und Förderin Schönbergs, setzte sich für Furtwängler ein, sie machte Musikpolitik und schrieb Musikgeschichte.

Sie war nicht nur die erste promovierte Musikwissenschafterin Wiens, sondern auch die erste Frau, die Kulturkritiken in eigenem Namen publizierte. Sie war von Anfang an eine genaue Beobachterin, setzte sich für Frauen sowie für ihre Zeit, die Wiener Moderne, ein. Vor allem war ihr daran gelegen, dass die zeitgenössischen Komponisten fair beurteilt wurden. Elsa Bienenfeld kam 1877 als ältestes von vier Kindern des Ehepaares Dr. Heinrich Leo Bienenfeld, k. u. k. Hof- u. Gerichts-Advocat, zur Welt. Ihre Mutter stammte aus einer bekannten Rabbinerfamilie. Sie maturierte als Externistin 1898 am Akademischen Gymnasium und studierte anschließend an der Wiener Universität zunächst naturwissenschaftliche Fächer. Das Fach Musikwissenschaft musste erst begründet werden.

Sie hielt Vorträge im Wiener Volksbildungsverein bzw. der Wiener Urania von 1906/07 bis 1917/18 ("Die moderne Oper nach Richard Wagner"), auch im Radio. Sie beschrieb die Ur- und Erstaufführungen ihrer Zeit (R. Strauss "Die Frau ohne Schatten"), verfasste Essays über die Taubheit von Komponisten und übersetzte Texte von polnischen Volksliedern ins Deutsche.

Nach Hitlers Einmarsch in Österreich im März 1938 wurde im "Verzeichnis über das Vermögen von Juden" nach dem Stand von 27. April 1938 ihr Beruf als "Redacteurin in Pension" angeführt. Um die sogenannte Reichsfluchtsteuer gering zu halten, stellt sie im Dezember 1938 bezüglich einer Veränderung an die Vermögensverkehrstelle den Antrag, "die in meinem Verzeichnis vom 27. April 1938 angeführten Ansprüche an die Versicherungsanstalt der Presse, Wien bei Berechnung meines Vermögens nicht in Ansatz zu bringen." Im Oktober 1939 wurde sie wegen eines Devisenvergehens inhaftiert und wegen Geistesschwäche "beschränkt entmündigt". Aus einer Sammelwohnung in Wien I, Dominikanerbastei 22 wird sie 1942 nach Maly Trostinec deportiert und dort ermordet.

Opus dokumentiert Elsa Bienenfelds Weg aus einer intellektuellen Familie, von ihren Schul- und Universitätsbesuchen zur ihren Wirkungsstätten der Zeitungen wie der Schwarzwaldschule bis zum Ende in Weißrussland.

In der "BiografiA"-Reihe, herausgegeben von Ilse Korotin, ist nun erstmals ihre Lebensgeschichte erschienen, verfasst von Eva Taudes.
Ihre Texte liest Andrea Eckert.

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