Italienisches Parlament

APA/AFP/FILIPPO MONTEFORTE

Neue Härte in Italien, Türkei - Nächste Runde für Erdogan, Korruption im russischen Sport, Bosnien - Gerechtigkeit für David

1. Neue Härte in Italien
2. Türkei - Nächste Runde für Erdogan?
3. Korruption im russischen Sport
4. Bosnien - Gerechtigkeit für David

Moderation: Agathe Zupan

1. Neue Härte in Italien

Drei Monate lang hat die Bildung der italienischen Regierung gedauert. Vor zwei Wochen ist sie nach langem Hin und Her angelobt worden. Und erstmals besteht die Regierung aus einer Koalition der populistischen 5 Sterne Bewegung und der fremdenfeindlichen Lega. In deren gemeinsamen Koalitionspapier zu finden: Steuerkürzungen, Herabsetzung des Pensionsalters von 67 auf 65 Jahre, die Einführung eines Grundeinkommens für Arbeitslose in Ausbildung, Auflösen von Roma-Camps - und ein härteres Vorgehen in Sachen Migration. Ein Thema, das diese Woche schon für heftige Wogen gesorgt hat: Nachdem Italiens neuer Innenminister, der Lega Chef Matteo Salvini, dem Schiff "Aquarius" der NGO SOS Méditerranée mit über 600 Migranten an Bord die Einreise in italienische Häfen verweigert hatte, soll es nun von Spanien aufgenommen werden. Manch Italienischer Bürgermeister lehnt diese Haltung ab. Und auch die wirtschaftlichen Vorschläge der Regierung sorgen für Kritik. (Katharina Wagner)


2. Türkei - Nächste Runde für Erdogan?

Nächsten Sonntag werden in der Türkei ein neuer Präsident und ein neues Parlament gewählt - und das mehr als ein Jahr früher als regulär vorgesehen. Präsident Erdogan gilt zwar als Favorit, doch ein Durchmarsch, wie von seiner AKP erhofft, dürfte die Wahl nicht werden. Die Opposition ist voller Energie, und Erdogans Wahlkampf läuft nicht immer rund. Meinungsforschern zufolge ist es denkbar, dass die regierende AKP im Parlament die Mehrheit verliert und Präsident Erdogan im Rennen ums Präsidentenamt in eine Stichwahl gezwungen wird. Die Opposition, besonders die Kurden, beklagen unfaire Bedingungen in einem Wahlkampf, der im geltenden Ausnahmezustand stattfindet. Jörg Winter zeichnet ein Bild der Stimmung vor dem Urnengang, den viele als Schicksalswahl für die Türkei sehen.


3. Korruption im russischen Sport

Mit einem großen Fest eröffnet Russland diese Woche die Fußball-Weltmeisterschaft. Die 12 Stadien sind trotz Wirtschaftskrise rechtzeitig fertig geworden. Modern sind sie und teils architektonisch beeindruckend. Doch hinter der glitzernden Fassade verbergen sich in der russischen Sportwelt große Probleme. Der Dopingskandal, der zum Ausschluss des russischen Teams von den olympischen Spielen geführt hat, ist lange noch nicht überwunden. Der russische Staat steckt enorm viel Geld in den Sport, doch das verschwindet oft in den Taschen von Funktionären und anderen Günstlingen der politischen Elite - bei der Nachwuchsförderung kommt hingegen nichts an. Christian Lininger hat in Moskau mit dem früheren Fußballfunktionär Alischer Aminow gesprochen, dem wohl bekanntesten Kritiker des russischen Sportsystems. Er zeichnet das Bild eines Systems, das von einem Mann, dem russischen Präsidenten, beherrscht wird; in dem Verstöße gegen die Ethikregeln der Sportverbände an der Tagesordnung sind; in dem Kriminelle nicht bestraft werden - und das sich letztlich immun gegen jegliche Veränderung erweist.


4. Bosnien - Gerechtigkeit für David

Der Tod seines Sohnes David hat Davor Dragicevic zur Galionsfigur einer Protestbewegung in Bosnien und Herzegowina gemacht. Der Kellner und Veteran des Bosnienkrieges ist überzeugt, dass sein Sohn, der Ende März unter ungeklärten Umständen gestorben ist, ermordet wurde. David Dragicevic war im März zunächst verschollen und dann tot in einem Fluss gefunden worden. Die Polizei gab an, David sei ertrunken, nachdem er Drogen genommen hatte. Sein Vater Davor glaubt das nicht, er sagt, die Behörden würden die Täter decken. Was Ende März als Mahnwache begann, hat inzwischen als eine Art Protestbewegung das gesamte Land erfasst. Täglich gehen Tausende junge Menschen auf die Straße und protestieren gegen ein korruptes Polizei und Behördensystem in Bosnien. (Srdjan Govedarica)

Moderation: Agathe Zupan

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