Mann hält Waage in der Hand

AP/FELIPE DANA

Der ewige Kolonialismus. Zur Plünderung des Südens.

Diagonal - Der ewige Kolonialismus. Zur Plünderung des Südens. Eine Sendung von Johann Kneihs und Peter Waldenberger (im Rahmen des Ö1- Schwerpunkts NORD-SÜD)

In den 1950er und 1960er Jahren ging die Epoche des Kolonialismus zu Ende, als die großen Weltmächte ihre Kolonien in die Unabhängigkeit entließen (oder die Kolonien diese erkämpften). So lehren es die Geschichtsbücher. Ein halbes Jahrhundert später werden die Rohstoffe, die Natur und die menschliche Arbeitskraft in den Ländern der sogenannten Dritten Welt um nichts weniger brutal ausgebeutet als damals - den Eindruck kann gewinnen, wer die Entwicklungen in Lateinamerika, Asien und Afrika verfolgt.

Der neue Kolonialismus muss keine Territorien besitzen, er braucht keine Untertanen und meistens auch keine militärische Gewalt - er bedient sich korrupter Eliten; lokale Machthaber erledigen die Drecksarbeit. So herrschen etwa in der brasilianischen Landwirtschaft Sklaverei-ähnliche Arbeitsbedingungen, dokumentiert die Wiener Sozialwissenschafterin Julia Harnoncourt in ihrem neuen Buch "Unfreie Arbeit".

Tom Burgis, Auslandsreporter der Financial Times, schreibt in seinem Buch "Der Fluch des Reichtums" über Afrika: "An die Stelle der alten Imperien sind verborgene Netze von multinationalen Unternehmen, Zwischenhändlern und afrikanischen Potentaten getreten. Diese Netze verschmelzen staatliche und unternehmerische Macht. Sie fühlen sich keiner Nation verpflichtet, sondern gehören zu den transnationalen Eliten, die mit der Ära der Globalisierung aufgeblüht sind. Vor allem anderen dienen sie ihrer eigenen Bereicherung".

Gerade in den an Ressourcen reichsten Regionen des globalen Südens scheinen weithin Unterdrückung und Gewalt das Leben der Menschen zu bestimmen; der Gewinn der Wertschöpfung bleibt anderen.

Gäste im Studio: Petra Navara (Expertin für Entwicklungszusammenarbeit, ehemalige Leiterin von Horizont 3000), Isabella Radhuber (Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien), Daniel Bacher (Dreikönigsaktion)

Service

Ulrich Brand, Markus Wissen, "Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus", Oekom Verlag

Alberto Acosta, Ulrich Brand, "Radikale Alternativen. Warum man den Kapitalismus nur mit vereinten Kräften überwinden kann", Oekom Verlag

Stephan Lessenich, "Neben uns die Sintflut: Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis", Carl Hanser Verlag

Julia Harnoncourt, "Unfreie Arbeit. Trabalho escravo in der brasilianischen Landwirtschaft", Promedia Verlag

Tom Burgis, "Der Fluch des Reichtums. Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas", übersetzt von Michael Schiffmann, Westend Verlag

Entwicklungsprojekte der Dreikönigsaktion

Global Witness Report - Opfer von Landraub 2016

Bericht der Deutschen Welle über Morde an Umweltaktivisten

Auf Kosten Anderer

Umweltgerechtigkeitsatlas

Petra Navara

Playlist

Komponist/Komponistin: Habib Koite
Album: Afriki
Titel: Africa
Ausführende: Habib Koite und Bamada
Länge: 04:26 min
Label: cumbancha CMB-CD-5

Komponist/Komponistin: Solo Cissokho,Catrin Finch,Seckou Keita
Album: Soar
Titel: Yama Ba
Ausführende: Catrin Finch, Harfe
Ausführende: Seckou Keita,Kora
Länge: 04:08 min
Label: bendigedig Bendi 2

Komponist/Komponistin: Lula Pena
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Ronald Augusto
Album: Archivo Pittoresco
Titel: Pesadelo da historia
Ausführende: Lula Pena
Länge: 04:42 min
Label: crammed discs cram 270

Komponist/Komponistin: Habib Koite, Eric Bibb
Album: Brothers in Bamako
Titel: Send Us brighter Days
Ausführende: Habib Koite, Eric Bibb
Länge: 03:58 min
Label: contr-jour cj028

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht