Eine Frau beim Tragen eines Wasserbottichs

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Phänomenologie und Kritik des Helfens

"Was hilft aus der Armut?". Gedanken darüber, wie es gelingen könnte, Menschen nachhaltig aus der Armut zu helfen und gerechtere Verhältnisse zu schaffen machen sich der Schriftsteller Ilija Trojanow, die Entwicklungsexpertin Karin Fischer und der Missionstheologe und Ordensmann Franz Helm. - Gestaltung: Johannes Kaup

Die weltweit zunehmenden Flüchtlingsbewegungen haben - abseits kriegerischer Konflikte - vor allem einen Hauptgrund: die Flucht vor der Armut. Die Gründe dieser Armut sind vielfältig. Sie reichen von der Ungleichverteilung von Ressourcen wie Grund und Boden, über fehlende Bildung, unfaire Handelsverträge, schlechte Staatsführung bis hin zum fortschreitenden Klimawandel und dem damit verbundenen Verlust der Existenzgrundlage.

Im Weltmaßstab ergibt sich ein dramatisches Bild der Armut. Der Definition der Weltbank zufolge bedeutet absolute Armut die Gefährdung der physischen Existenz. Wer weniger als 1,25 Dollar pro Tag zum Leben hat gilt als absolut arm. Dies betrifft rund 1 Milliarde Menschen auf dem Globus, die akut von Hunger betroffen sind. Eine weitere Milliarde hat nicht mehr als 2 Dollar pro Tag zur Verfügung und lebt in prekären Verhältnissen. Zudem muss, wenn über Armut gesprochen wird, auch über den Reichtum geredet werden. Nach dem jüngsten Vermögensbericht von OXFAM gingen 82 Prozent des globalen Vermögenswachstums im Jahr 2017 an das reichste Prozent der Weltbevölkerung, während das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung stagnierte. Das reichste Prozent besitzt damit weiterhin mehr Vermögen als der gesamte Rest der Weltbevölkerung.

Dazu kommt, dass die internationale Entwicklungshilfe seit ihren Anfängen politisch instrumentalisiert wurde und oft mehr den Eigeninteressen dient als jenen der Armutsbetroffenen. Global gesehen wäre eine an den sozialen Bedürfnissen der Betroffenen ausgerichtete Politik der Armutsbekämpfung vonnöten, die in die Zukunftsperspektiven der Menschen investiert. Dazu aber müsste auch die traditionelle staatliche Entwicklungspolitik ihre Ziele und Methoden neu ausrichten, damit Hilfe aus der Armut ihren Namen wirklich verdient. Moderne Armutsbekämpfung verteilt keine Almosen. Sie dockt bei lokalen Entwicklungsinitiativen an, ermächtigt die von Armut Betroffenen und beinhaltet, dass von den jeweiligen Zielländern eigene Beiträge dazu geleistet werden. Und sie kritisiert die globalen und nationalen ökonomischen Verhältnisse, die die Armutssituationen stabilisieren oder sogar hervorrufen.

Worin liegen die Fallen des Helfens? Wann wird das wohltätige Spenden und die humanitäre Hilfe nur zu einer Reparatur von Schieflagen, die den Status Quo absichert und eher der Anpassung statt der Veränderung dient? Was bedeutet Entwicklungszusammenarbeit auf dem Hintergrund ökonomischer Machtverhältnisse und weltweiter Ungleichheitsentwicklung? Wie könnte es gelingen, Menschen nachhaltig aus der Armut zu helfen und gerechtere Verhältnisse zu schaffen? Johannes Kaup hat dazu den Schriftsteller Ilija Trojanow, die Entwicklungsexpertin Karin Fischer und den Missionstheologen und Ordensmann Franz Helm, Mitglied der "Steyler Missionare", gesprochen.

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