Flüchtlinge erreichen London, 1938

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Radiokolleg - Inseln der Sicherheit

Zäsur 38 - Exil im Britischen Empire (2). Gestaltung: Ulrike Schmitzer

Großbritannien und seine Kolonien waren ab 1938 eine wichtige Zufluchtsmöglichkeit für viele Österreicher/innen mit jüdischen Wurzeln. Neben Palästina und Amerika war Großbritannien Hauptziel der Flucht. Prominente wie Sigmund Freud, Oskar Kokoschka oder John Heartfield fanden hier ihr Exil. Großbritannien nahm bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rund 30.000 Flüchtlinge aus Österreich auf - insgesamt wird die Zahl der Exilant/innen auf bis zu 80.000 geschätzt.

Rund 20.000 Jüdinnen rettete der Mangel an Hauspersonal auf der Insel das Leben - sie bekamen die begehrten Dienstmädchen-Visa. Nicht immer waren diese Frauen allerdings die Arbeit einer Haushälterin gewohnt. Anita Bild zum Beispiel war Tänzerin und konnte sich in der neuen Arbeit kaum zurechtfinden. Sie ging daher wie so viele andere in der ärgsten Bedrängnis eine Scheinehe ein, die ihr den Aufenthaltsstatus sichern konnte.

Das Jüdische Museum Wien zeigt übrigens bis Oktober in der Ausstellung "Verfolgt. Verlobt. Verheiratet." die Schicksale von exilierten Frauen in Scheinehen. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 verschärfte sich die Situation für Exilanten: Deutsche und österreichische Juden wurden genauso wie Nationalsozialisten als "Enemy Aliens" betrachtet, in Internierungslager gesteckt und auf ihre Loyalität hin überprüft. Viele wurden nach Kanada oder Australien abgeschoben.

Eine zweite große Fluchtwelle setzte ein, als Hitler 1940 in Frankreich einmarschierte und damit ein wichtiges Zufluchtsland auf dem europäischen Festland verloren war. Ulrike Schmitzer hat für ihre Serie "Zäsur 38" das Schicksal von vier Exilanten und Exilantinnen verfolgt, die ihren Weg in Großbritannien oder in der britischen Kolonie Indien machten.

Hilde Holger zum Beispiel war eine erfolgreiche Ausdruckstänzerin aus Wien, die in Indien weiterarbeiten konnte und später zu einer Pionierin des Inklusiven Tanzes wurde. Einige der Porträtierten wie Eric Sanders finden sich auch in dem Buch "Passage to safety", das Synema, die Gesellschaft für Filmtheorie über die Exilant/innen im Britischen Empire herausgegeben hat.

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