Stimmen hören

Ein Stil-Kosmopolit aus der Generation nach Puccini

Katyusha, Cyrano, Sakuntala: Franco Alfanos Opernfiguren

Auch die Musikwelt liebt Vorhersehbarkeit: Komponisten, die sich hingegen von einem Werk zum anderen wandeln, die daher schwer in "Schubladen" passen, haben es a priori schwerer. Franco Alfano, ein Zeitgenosse etwa von Maurice Ravel und unter den Italienern seiner Generation (vergleichbar Riccardo Zandonai) ein "Moderner", ist in den Opernspielplänen von heute fast nur mehr als (allerdings nicht unwesentliches) Anhängsel von Giacomo Puccini vertreten: weil Puccinis "Turandot" üblicherweise mit einer Kurzversion der von Alfano zu Ende komponierten Finalszene aufgeführt wird. Den Weg zu dieser gewichtigen Auftragsarbeit wies Alfano selbst, mit seiner, "Turandot" vergleichbar, "exotischen", dabei impressionistisch angehauchten und Orchester-prunkenden Oper "Sakuntala". Stärkeren Publikumserfolg als mit dem indischen Sujet hatte Franco Alfano aber mit seiner auf Schlagkraft gepolten, "veristisch" schwelgerischen Opernversion von Tolstojs "Auferstehung". Die Katyusha in dieser "Risurrezione": später ideal verkörpert von Magda Olivero. Fans von Placido Domingo wiederum werden sich daran erinnern, dass der Tenor (!) in reifen Sängerjahren ein Faible für "Cyrano de Bergerac" entwickelte: detailverliebt, raffiniert und im Original tatsächlich in französischer Sprache wird da Edmond Rostands Geschichte vom rührenden Poeten mit übergroßem Gesichtserker in Musik gesetzt. Und Franco Alfano komponierte bis ins hohe Alter weiter - ein später "Dottor Antonio" hat sich, Ohren-schmeichelnd, in einer RAI-Aufnahme erhalten.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel