Szene aus Libuse

HANA SMEJKALOVA

Radiokolleg - Eine kleine Musikgeschichte der Tschechoslowakei

Von der Urmutter Libuse zu den Plastic People of the Universe (3). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch

In Prag und Bratislava wird in diesem Jahr der 100. Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei im Oktober 1918 begangen. Diesem Staat war freilich keine allzu lange Existenz beschieden. Im Zweiten Weltkrieg wurde er vorübergehend von Hitler-Deutschland zerschlagen, 1993 trennten sich Tschechen und Slowaken auf friedlichem Weg. Die reiche Kultur- und Musikgeschichte der Tschechoslowakei lässt sich nicht in wenigen Worten zusammenfassen, doch stechen einige zentrale Aspekte hervor.

So steht 2018 eine Neuproduktion der Oper Libuše auf dem Spielplan des Prager Nationaltheaters. Libuse gilt als die mythische Stammmutter der Premysliden-Dynastie in Böhmen und damit quasi als Symbol uralter tschechischer Eigenständigkeit. Das Werk des Komponisten Bedrich Smetana wurde 1881 zur Eröffnung des Prager Nationaltheaters uraufgeführt und auch in der Tschechoslowakei stets bei bedeutenden staatlichen Anlässen gespielt.

Erst in jüngerer Zeit werden dagegen Werke der sogenannten Terezin-Komponisten wieder aufgegriffen. Terezin - Theresienstadt, eine ehemalige böhmische Garnison, wurde 1941 von der SS in ein Ghetto für tschechische Juden umfunktioniert. Hier wurden besonders viele Künstler festgehalten, die meisten wurden später in Vernichtungslager weitertransportiert, darunter Komponisten wie Viktor Ullmann, Pavel Haas und Gideon Klein. Solange sie lebten, pflegten sie selbst im Ghetto ihre Kultur.

In Theresienstadt gab es Kammermusik, Chöre und Orchester, Theater und Kabarett. Nur wenige Jahre nach der Wiederherstellung der Tschechoslowakei kamen 1948 die Kommunisten an die Macht. Zwei Jahrzehnte später wurde im August 1968 der Prager Frühling gewaltsam niedergeschlagen - und im September 1968 die Rockband "The Plastic People of the Universe" gegründet.

Die Musiker verstanden sich nicht als politische Dissidenten, gehörten aber zu den führenden Repräsentanten der Gegen- und Untergrundkultur, die vom Staat zeitweise hart verfolgt wurde. Das Verbot der Gruppe 1976 sowie die Verhaftung einiger ihrer Mitglieder und die Scheinprozesse gaben mit Anlass zur Entstehung der Bürgerrechtsbewegung Charta 77.

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Milan Hlavsa
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Egon Bondy
Titel: Dvacet
I: The Plastic People
Länge: 01:53 min
Label: Globus Music LTM 1978

Komponist/Komponistin: Milan Hlavsa
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Egon Bondy
Titel: Toxica
I: The Plastic People
Länge: 03:53 min
Label: Globus Music LTM 1978

Komponist/Komponistin: Milan Hlavsa
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Frantisek Vanecek
Titel: 100 Bodu
I: The Plastic People Of The Universe
Länge: 20:03 min
Label: Globus Music - 210213-2

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