Zerknüllte Tageszeitungen und Geldscheine

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

High Noon auf dem Boulevard

Dichand gegen Fellner, das ist Brutalität. Ein jahrzehntealtes Muster - der Kampf der Boulevard-Riesen um öffentliche Gelder - ist dieser Tage für alle sichtbar aufgebrochen. Ein Vergleich der Wiener Linien mit der Mediengruppe von Wolfgang Fellner, eine nicht dementierte Millionenzahlung - und das alles hinter dem Rücken der "Kronen Zeitung". Mehr hat der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig nicht gebraucht. High Noon herrscht aber auch auf dem neuen Boulevard der rechten Plattformen im Internet, die sich anhaltender Unterstützung der nunmehrigen Regierungspartei FPÖ erfreuen - und für den alten Boulevard Taktgeber mit ihren oft auch hetzerischen Inhalten sind.

Sind Millionen an Fellner geflossen?

Dass die Dichands mit ihren reichweitenstarken Boulevardblättern - neben der "Krone" ist die Familie maßgeblich an der Gratiszeitung "Heute" beteiligt - scharf gegen Fellner und die Politik schießen, die sich mit ihm verglichen hat, das hat handfeste ökonomische Gründe. Erstens verliert "Heute" seinen Startvorteil mit Entnahmeboxen auf den besten Standplätzen in der Wiener U-Bahn, und zweitens wird allgemein angenommen, dass es eine Millionenzahlung der Stadt via Wiener Linien an Fellner gegeben hat. Indizien dafür ergeben sich auch aus einem Beschluss des Obersten Gerichtshofs im Zuge des neun Jahre währenden Rechtsstreits. #doublecheck hat das recherchiert. Und Fellner wird in Zukunft wieder am üppigen Inseratenbudget der Wiener Linien mitnaschen können.


Die Politik zwischen den Fronten

Die Politik habe sich in Österreich in Geiselhaft des Zeitungsboulevards begeben, sagt der Salzburger Medienwissenschafter Josef Trappel. Dazu kommt, dass gerade die SPÖ - die in Wien immer noch den Ton angibt - ein ähnliches Publikum wie die "Kronen Zeitung" hat und das Standing der Parteispitzen bei der Basis deshalb sehr stark von einer guten Berichterstattung in dem Blatt abhängt. Der Wiener SPÖ-Chef Bürgermeister Michael Ludwig muss also schauen, wie er da wieder rauskommt. Ludwig möchte qualitätsbezogene Vergaberichtlinien für Inserate der Stadt festlegen, es ist allerdings unklar, wie die aussehen werden. Apropos Qualität: #doublecheck hat auch mit der Innenpolitik-Expertin Anneliese Rohrer über die Haider-Berichterstattung zum zehnten Jahrestag des Unfalltodes gesprochen. Rohrers Fazit: die Medien hätten nichts aus früheren Fehlern gelernt.


Die blauen Satelliten im Netz

Die europäischen Rechtsparteien rüsten sich für die EU-Wahl im Mai 2019, eine politische Allianz unter Anleitung des früheren Trump-Beraters Steve Bannon ist im Gespräch. Auch die Medien der Rechten vernetzen sich, viele lernen dabei von der FPÖ, die ein Social-Media-Riese ist. Und im Orbit dieses Riesen kreisen immer mehr mediale Satelliten - meist Online-Plattformen, aber auch gedruckte Wochenzeitungen - die weniger eine journalistische als eine politische Mission haben. #doublecheck hat sich die Methoden dieser selbsternannten "patriotischen" Medien angesehen.


Moderation und Gestaltung: Nadja Hahn und Stefan Kappacher

Sendereihe

Gestaltung