OeNB Hauptgebäude

OENB

Großpalast wird Hinterhaus

1918 - Österreichische Nationalbank

An der Rückseite des großzügigen, begrünten Vorplatzes an der Alser Straße wirkt das Gebäude zwar imposant, jedoch niedriger als es mit neun Stockwerken tatsächlich ist: die Hauptstelle der Oesterreichischen Nationalbank am Otto-Wagner-Platz im 9. Bezirk in Wien. Dass es sich dabei nur um das Druckereigebäude eines ursprünglich viel mächtiger angelegten Bankpalastes handelt, ist, so Claudia Köpf, Historikerin und Mitarbeiterin des Bankhistorischen Archivs der ÖNB, dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie geschuldet: "1918, das Schicksalsjahr, hat auch diese Baustelle entscheiden, denn die Vision von einem Bankpalast ist mit dem Zerfall der Monarchie geplatzt."

Leopold Bauer, ein Otto-Wagner-Schüler, entwarf für das Wiener Hauptgebäude ein gigantomanisches Bankpalais, entsprechend dem Repräsentationsbedürfnis der Großmacht und ihrer Notenbank. Es sollte - aus Sicherheitsgründen - zweigeteilt sein: vorne der Palast und hinten dran, über eine mehrstöckige Brücke verbunden, ein eigenes Druckereigebäude für die Banknotenfabrikation. 1913 begann man noch voller Optimismus zu bauen, aber schon bald - im Laufe des Ersten Weltkriegs - sind die Bauarbeiten abgebrochen worden und 1917 zu einem kompletten Stillstand gekommen. Zu diesem Zeitpunkt war das damalige Druckereigebäude nur im Rohbau fertig. Der Umbau wurde - nach der Liquidierung der vormals österreichisch-ungarischen Bank und der Neugründung der Österreichischen Nationalbank - den Architekten Ferdinand Glaser und Rudolf Eisler übertragen. Eröffnet wurde das neue Hauptquartier 1925, nur wenige Wochen nach der Einführung der Schillingwährung. "Man kann an dem Gebäude sicherlich ablesen, wie der Zeitgeist sich geändert hat", so Claudia Köpf über die durch das Wendejahr 1918 geprägte Baugeschichte des prestigereichen Hauses.

Architektur: Leopold Bauer (Erstentwurf); Ferdinand Glaser und Rudolf Eisler (Adaptierung und Fertigstellung)
Wende in der Baugeschichte: 1918
Adresse: 1090 Wien, Otto-Wagner-Platz 3

Gestaltung: Anna Soucek

Service

Es ist dies die letzte Folge der "Hundert Häuser". Mit der Sendereihe "Hundert Häuser" wurde eine Geschichte Österreichs anhand seiner Architektur erzählt - vom Jahr 1918, in dem am 12. November die Erste Republik ausgerufen wurde, bis zur Gegenwart. Für jedes Jahr stand ein historisch bedeutendes, architektonisch spannendes oder eine Epoche prägendes Bauwerk, das in jeweils einem Radiobeitrag porträtiert wurde. Zu hören war die hundertteilige Reihe von Montag bis Donnerstag um 17:25 Uhr, von Mitte Mai bis 12. November 2018. Alle Folgen sind auf oe1.orf.at/hunderthaeuser in Text, Bild und Ton dauerhaft abrufbar.

Leopold Bauers Bankpalais in der OeNB-Unternehmensgeschichte

Das Jahr 1918 in der OeNB-Unternehmensgeschichte

Bankhistorisches Archiv der OeNB

Leopold Bauer im Architektenlexikon
Rudolf Eisler im Architektenlexikon
Ferdinand Glaser im Architektenlexikon

Sendereihe

Gestaltung

  • Anna Soucek

Übersicht