Aufmarsch Identitäre mit Polizei

APA/HERBERT PFARRHOFER

Wer Identität sät, wird Identitäre ernten

Über die Verwandtschaft linker und rechter Identitätspolitik.
Von Lukas Wieselberg

Die Schauspielerin Scarlett Johannson verzichtet auf eine Rolle als Transgender-Mann, weil ihr vorgeworfen wurde, selbst nicht transgender zu sein. Und beim Konzert einer Reggae-Band sollten Weiße besser keine Dreadlocks tragen, das sei eine unangemessene Aneignung schwarzer Kultur. Zwei Beispiele einer linken Identitätspolitik, die in den vergangenen Jahren aus dem Ruder gelaufen zu sein scheint. - Begonnen hat sie in den 1960er Jahren, als die US-Bürgerrechtsbewegung für die Rechte der Schwarzen kämpfte.

Später folgten Feministinnen, Schwule und Lesben, verschiedene Ethnien, alte, behinderte, dicke und dünne Menschen und viele mehr. Allen gemeinsam ist, dass sie aufgrund individueller Identitäten und erfahrener Diskriminierung politisch handeln. Teilweise mit Erfolg. Problematisch wird es, wenn die individuelle Betroffenheit zum einzig legitimen Maßstab für politische Aktivität wird. Dann wird jeder Diskurs über die Grenzen der durch (vermeintliche) Identität Verbundenen unmöglich. Das widerspricht dem universalen Charakter der Aufklärung und liegt zudem sehr nahe an einer alt-neu-rechten Identitätspolitik, die sich nicht zufällig als "identitär" bezeichnet.

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  • Lukas Wieselberg