Geschichte bei Tisch

Wohl bekam's! In hundert Menüs durch die Weltgeschichte

Mit den Feiertagen naht nun auch wieder die Zeit der großen Festessen, der sorgsam ausgedachten und zusammengestellten Menüs. Also Speisenfolgen in Kombination mit Getränken in mehreren Gängen. Die Bezeichnung "Gang" kommt übrigens daher, dass die Bediensteten dereinst für jedes neue Gericht auch einen neuen Gang in die Küche machen mussten. Menüs wurden und werden bis heute häufig von Menükarten begleitet. Und um solche Menükarten geht es im Buch "Wohl bekam's! In hundert Menüs durch die Weltgeschichte" von Tobias Roth und Moritz Rauchhaus.
100 Menükarten quer durch die Weltgeschichte haben die beiden Autoren ausgewählt. Den Beginn macht ein Festessen, das der assyrische König Assurnasirpal II. zur Weihe seiner neuen Residenz 879 v. Chr. gab. 69.574 Gäste wurden bei diesem 10tägigen Gelage verköstigt. Kredenzt wurden unter anderem 10.000 Turteltauben, 100 gesalzene Ochsen, 100 Körbe Granatäpfel oder 10 Eselslasten geschälte Pistazien. Das ist noch kein wirkliches Menü, denn Tobias Roth und Moritz Rauchhaus legten bei den restlichen 99 Menüs Wert auf Abwechslung.
Ob die Krönung Wilhelms I, ein Theaterjubiläum von Victor Hugo, Napoleons Hochzeit oder der erste Nobelpreis für Marie Curie. Im Buch ist zu erfahren, wie Goethe seine Gäste beim Frühstück verwöhnte - erstaunlich modern übrigens, was das letzte Abendessen auf der Titanic und das erste Essen auf dem Mond war. Das erste Menü im Buch stammt aus dem Speiseplan der Bamberger Domherren aus dem Jahr 1200.
Das erste richtige Festmahl im Buch, das auch unseren heutigen Menüvorstellungen entspricht, wurde zur Einweihung der Pfarrkirche von Weißenfels am 15.September 1303 serviert.
Auch Österreich ist in der Sammlung dieser 100 Menüs vertreten. Kaiser Franz Joseph empfängt den Deutschen Kaiser Wilhelm II. Ende März 1914 - es ist eines der letzten Menüs zu Friedenszeiten.
Historische Menükarten werfen auch Fragen nach Transportwegen, Techniken der Konservierung oder Zubereitung auf. Wie konnte etwa im 16. Jahrhundert ein riesiges Menü für viele Leute gekocht werden? So sind die gesammelten Menükarten auch eine Art Kopfkino. Graphisch in rot und blau mit kleinen Illustrationen appetitlich aufbereitet, führt das Buch "In hundert Menüs durch die Weltgeschichte" aber auch zum eigenen Koch - und Essverhalten.- Gestaltung: Zita Bereuter


Service

"In hundert Menüs durch die Weltgeschichte" ist im Verlag Das Kulturelle Gedächtnis erschienen.
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