Art's Birthday - Bild, dahinter DJ-Pult

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Der Geburtstag der Kunst

Jubel und Jubiläen

Schwung holen in der Vergangenheit - feiern in der Gegenwart, das ist der große Bogen des heutigen Kunstsonntags. In der Ö1-Radiosession ist der österreichische Saxofonist Herwig Gradischnig zu Gast, ein Musiker, der auf den Spuren von Sonny Rollins wandelt. Rollins war nämlich einer der ersten, der ein ganzes Album in folgender Besetzung aufgenommen hat: Tenorsax, Bass und Schlagzeug. Keine Gitarre, kein Akkordinstrument. In der Reduktion liegt bekanntlich die Intensität - und das beweist heute einmal mehr Gradischnig im Spiel mit seinem "Ghost Trio".

Eine Reise ins biografische Dunkel bieten die Tonspuren: Alfred Nobel - der Stifter der nach ihm benannten und im Oktober vergebenen Wissenschaftspreise - gilt wohl als historische Lichtgestalt. Oder sollte zumindest als solche gelten, denn die Nobelpreisstiftung hielt lange Dokumente und Briefe unter Verschluss, die seinen Ruf als Erfinder, Stifter und Philanthrop hätten irgendwie beschädigen können. Von Turbulenzen und menschlichen Enttäuschungen erzählt ein Feature von Nikolaus Scholz: Der geheime Briefwechsel von Alfred Nobel.

In den Milestones hat heute Willie "The Lion" Smith einen knapp 40-minütigen Auftritt. Der Mitbegründer des Stride-Piano kam zu seinem Spitznamen, so wird zumindest erzählt, aufgrund seines feurigen Auftretens. Es gibt aber auch noch andere Versionen: Smith wollte ursprünglich Rabbiner werden, daher der Beiname "Der Löwe von Judäa" - und schließlich gibt es noch die Erzählung: Smith hat sich im ersten Weltkrieg durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet und eben gekämpft wie ein Löwe. Was auch immer stimmen mag: Sein Spiel ist jedenfalls gelenkig und energetisch - das passt ja auch irgendwie zum Löwen. Zu hören ist ab 21 Uhr Smith' legendäre Aufnahme aus dem Jahr 1939: die Commodore-Session.

In den Neuen Texten spricht heute eine Stimme im Kopf eines Mannes. Man könnte auch sagen: Hier spricht das Gewissen, das diesen Mann an seine früheren Jahre erinnert. Dieses Gewissen - es ist offenbar weiblich - ist da und es ist nicht da: Es spricht von außerhalb zu den oder über die im Text beschriebenen Szenen. Und zugleich auch von innen, aus dem Kopf des Mannes heraus. Innen vs. außen: Der Autor Vinzenz Dellinger verwendet seine Geschichte als Prisma, das diese zwei Perspektiven gleichsam auffächert.

Zeit-Ton extended berichtet über das Berliner CTM Festival, das dieser Tage sein 20-jähriges Bestehen feiert. Susanna Niedermayr präsentiert elektronische und artverwandte abenteuerliche Musik - und stellt sich die Frage: Wie kann Musik etwas in der Gesellschaft bewegen? Mehr über die progressive Kraft musikalischer Interventionen ab 22:08 Uhr.

Der Geschichte in der Geschichte widmet sich heute unsere Filmkolumne: ZOOM->In erläutert das Verhältnis von Kino und historischen Erzählungen. Und beantwortet unter anderem die Fragen: Wieviel zählen im Film historische Fakten? Und welchen Einsatz bringen Schauspieler, um ihr historisches Vorbild möglichst authentisch auf die Leinwand zu bringen?

In Radiokunst - Kunstradio wird heute ein Geburtstag gefeiert. Und zwar nicht irgendeiner, hatte doch die Kunst höchstpersönlich am 17. Jänner Geburtstag. So sah es zumindest der französische Fluxus-Künstler Robert Filliou (1926-1987), der diesen Tag zum Feierdatum erklärte und dazu eine hübsche Geschichte zur Geburt der Kunst mitlieferte. Begonnen habe die ganze Sache nämlich, so Filliou, mit folgendem Ereignis: Es kam jemand und ließ einen trockenen Schwamm in einen Eimer Wasser fallen. Und plötzlich war sie da, die Kunst.

Sendereihe

Gestaltung

  • Robert Czepel