Madeleine Slade auf einem Boot mit Gandhi

AP/JAMES A. MILLS

Radiokolleg - Mahatma Gandhis Weggefährtin Mirabehn

Von England über Indien nach Österreich (2). Gestaltung: Christa Nebenführ

Am 26. Jänner 1982 kam eine Wagenkolonne schwarzer Mercedes in die kleine österreichische Gemeinde Kracking. Der indische Botschafter und andere Würdenträger waren angereist um der englischen Adeligen Madeleine Slade, besser bekannt unter dem Namen Mirabehn, den zweithöchsten zivilen indischen Verdienstorden Padma Vibhushan zu überreichen. Madeleine Slade hatte sich 1962 in der Umgebung Wiens niedergelassen um die letzten Lebensjahrzehnte in einer Gegend zu verbringen, in welcher der von ihr verehrte Komponist Ludwig van Beethoven gelebt hatte.

Internationale Berühmtheit erlangte sie aber durch ihren gewaltlosen Einsatz für die Unabhängigkeit Indiens von der englischen Krone an der Seite Mahatma Gandhis. Die Tochter des Oberbefehlshabers der Ost-Indien-Schwadron, Konteradmiral Sir Edmond Slade, hatte sich am 7. November 1925 mit 33 Jahren in Mahatma Ghandis Ashram in Ahmedabad begeben und gehörte bis zu dessen Ermordung am 30. Jänner 1948 zum engsten Kreis seiner persönlichen Weggefährten.

Nach seinem Tod engagierte sie sich gegen die Abholzung der Himalaya Eichenwälder und war auch aus Österreich noch mit Zeitungsartikeln und brieflichen Eingaben in der Chipko-Bewegung aktiv. Die Chipko-Bewegung erregte durch die Methode indischer Frauen, Bäume zu umarmen, um deren Fällung zu verhindern, weltweite Aufmerksamkeit.
In Sir Richard Attenborouhs preisgekröntem Hollywood-Epos "Ghandi" wird Mirabehn von der englischen Schauspielerin Geraldine James verkörpert.

Madeleine Slade reiste in beratender Funktion zu den Dreharbeiten für diesen Film, starb aber am 20. Juli 1982 im 90. Lebensjahr, noch vor der Kinopremiere am 30. November 1982 in Neu-Delhi. 2018 wurde ihr Nachlass an das Institut für Südasienkunde der Universität Wien übergeben. Christa Nebenführ hat in diesen Einblick genommen und österreichische Zeitzeugen, Indologen und praktizierende Hindus nach Mirabehns spiritueller und politischer Bedeutung befragt. Dabei wird auch thematisiert, wie sehr sich Mahatma Gandhi neben seinem politischen Ziel der Befreiung Indiens von der englischen Kolonialherrschaft für den Aufbau von Ashrams und das dortige Leben einsetzte.

Service

LITERATUR:

Sudhir Kakar: Die Frau, die Gandhi liebte C. H. BECK 2005

Mira Behn (Madeleine Slade): An der Seite des Mahatma Sensen Verlag 1970
Aus dem Englischen von Harald Gardos

Mira Behn (Madeleine Slade): The Spirit's Pilgrimage 1960

M. K. Gandhi: Eine Autobiographie. Verlag Hinder + Deelmann 2005

Johanna Buß: Hinduismus für Dummies. Verlag: Wiley-VCH 2009

Arun Gandhi: Kasturbai und Mahatma Gandhi. Verlag Hinder + Deelmann 1981

Romain Rolland: Ludwig van Beethoven. Deutsch von L. Langnese-Hug, Max Rascher-Verlag Zürich 1918

Romain Rolland: Mahatma Gandhi. Deutsch von Emil Roninger. Rotapfel Verlag Zürich 1923

Roland Dobersberger: Sieghartskirchen. Ein Heimatbuch. Norka Verlag 2001

Nilesh D. Nathwani: My Family & I & other stories. Research India Press,
New Delhi 2016


Wendy Doniger: The Hindus: An Alternative History, Penguin Books 2010

Seva India Festival

Petra Kreuzer

Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde

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