Josip Broz

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Partisan, Marschall und Staatschef

Josip Broz, genannt: Tito. Mit Arnold Suppan, Osteuropa-Historiker, Österreichische Akademie der Wissenschaften.
Gestaltung: Andreas Wolf

Josip Broz wurde 1892, als 7. Kind einer kleinbäuerlichen Familie, im kroatischen Kumrovec geboren. Nach einer Schlosserlehre trat er 1910 in die "Sozialdemokratische Partei Kroatiens und Slawoniens" ein. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs wechselte er mehrfach seine Dienstgeber, so arbeitete Josip Broz u.a. bei Daimler in Wiener Neustadt. Als Soldat der k.u.k.-Armee diente der spätere Langzeitdiktator an der Ostfront, wo er 1915 verwundet in russische Kriegsgefangenschaft geriet.

In Petrograd wurde er Zeuge der Oktoberrevolution, daraufhin schloss sich Josip Broz den Bolschewiki an. Nach seiner Heimkehr in das neu gegründete Jugoslawien trat er in die Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ) ein. Wegen Agitation wurde Tito, wie er sich ab 1934 nannte, mehrmals inhaftiert. Als treuer Anhänger Stalins überstand er die parteiinternen, blutigen Säuberungen der 1930er Jahre und stieg zum Generalsekretär der KPJ auf. Nach einem prowestlichen Putsch in Jugoslawien besetzte die Wehrmacht das Land. Bis zum Beginn des Russlandfeldzugs lebte Tito aber weiterhin unbehelligt in Belgrad.

Während des Krieges kämpfte er mit seiner Partisanenarmee gegen kroatische faschistische Ustascha-Einheiten und ihre deutschen Unterstützer. In dieser Zeit stieg Tito zum Marschall auf, dessen provisorische Regierung auch von den Alliierten anerkannt wurde. Zu Kriegsende tolerierte er Massaker an feindlichen Truppen, politischen Gegnern und der deutschen Minderheit. Die Opferzahl betrug zwischen 200.000 und 300.000 Personen. Am 29. November 1945 wurde Tito zum Ministerpräsidenten der Volksrepublik Jugoslawien ernannt, später erfolgte die Wahl zum Staatspräsidenten auf Lebenszeit. Titos eigenständige Politik führte zum Bruch mit Stalins Sowjetunion.

Als Vordenker und Mitbegründer der Blockfreien Staaten avancierte Josip Broz Tito zu einem international geachteten Staatsmann. Seinen außenpolitischen Erfolgen stand eine desaströse Wirtschaftspolitik im Inneren gegenüber. Um der Perspektivenlosigkeit zu entgehen, verließen viele Jugoslawen das Land, um als Gastarbeiter im Ausland zu arbeiten. Tito starb am 4. Mai 1980 in Ljubljana. 11 Jahre später versank sein jugoslawischer Vielvölkerstaat im Bürgerkrieg.

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