Kindheit im Engadin, gelesen von Andrea Eckert

"Tamangur". Von Leta Semadeni. Es liest Andrea Eckert. Gestaltung: Friederike Raderer.

Ein Dorf voller Schatten im Tal. Tief hat sich der Fluss in den Felsen eingegraben. Eine Kirche, ein Schulhaus, der Dorfplatz mit der Lügenbank. Hier lebt das Kind zusammen mit der Großmutter. Der dritte Stuhl an Tisch ist leer. Der Großvater, der ein Jäger war, ist jetzt in Tamangur.
Bevor der Großvater nach Tamangur ging, war er am morgen immer als Erster am Tisch und rührte mit dem Suppenlöffel in seinem Kaffee. Wenn das Kind sich setzte, hob er augenzwinkernd den Löffel mit dem geschmolzenen Käse in die Höhe, und das Kind fing vor Begeisterung an zu kichern. Käse im Kaffee, das hatte Großmutter verboten. Du bringst ihr lauter Unsinn bei, schimpfte sie. Jemand muss das tun, sagte der Großvater ruhig. Du bringst ihr ja den ganzen Rest bei.

aus dem ersten Roman der Engadiner Lyrikerin. Rotpunkt Verlag

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Aus: Leta Semadeni - "Tamangur", Rotpunkt Verlag

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