Steigt die Angst in einer unsicheren Welt?

Irgendwie war das Leben schon mal unbeschwerter. Doch das ist schon einige Zeit her. Vielleicht etwas mehr als zehn Jahre. Denn man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es ab 2008 in vielen Bereichen bergab ging.

Finanzkrise, Flüchtlingsströme, Trump, Brexit und Terror

Damals führte die Finanzkrise bei zahllosen Menschen weltweit zu Arbeitsverlust, Obdachlosigkeit und Hunger. 2015 dann die Flüchtlingskrise in Europa. Hunderttausende, die ihre Heimat verlassen mussten, eine unsichere Zukunft vor sich. Ein Jahr später: Donald Trump wird zum US-Präsidenten gewählt. Wie konnte das passieren, fragten und fragen sich viele fassungslos. Bis heute ist nicht fix, wie es mit Großbritannien in Zukunft weitergehen wird. Dann sind da noch die Terroranschläge, längst auch in europäischen Städten wie Brüssel, Paris und London. Bislang ein Ausdruck des Hasses islamistischer Gruppen. Doch seit dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) am 15. März, bei dem 50 Muslime getötet und 47 verletzt wurden, verübt auch das rechtsextreme Lager diese Massenmorde.

Panik wegen Klimakatastrophe

Seit einigen Wochen schwänzen jeden Freitag Kinder und Jugendliche die Schule und gehen demonstrieren, dafür, dass von politischer Seite endlich etwas gegen den Klimawandel getan wird. Der Kopf der "Fridays for Future" Bewegung, die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, sagte kürzlich, sie wolle, dass wir alle in Panik geraten angesichts der drohenden Klimakatastrophe. Laut etlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben wir nur mehr einige, wenige Jahre Zeit, um den Kollaps zu verhindern.

Wer fürchtet sich wovor?

Nach Meinung unserer drei Sendungsgäste kann man kein einheitliches Bild über die Stimmungslage in unserem Land zeichnen. Die jungen Leute, die freitags für den Klimaschutz demonstrieren, sind Kinder und Jugendliche aus eher wohlhabenden Familien, meint der Jugendforscher Philipp Ikrath. Und: Es handle sich bei dieser Gruppe um eine Minderheit. Die meisten Jugendlichen würden sich nicht vor dem Klimawandel fürchten, sondern davor, keinen guten Job zu bekommen.
Politisch gesehen ist Österreich gespalten. Viele fürchten sich vor einer Islamisierung der Gesellschaft und fühlen sich deshalb auch durch die ÖVP/FPÖ-Regierung gut vertreten. Nicht wenige haben aber genau vor den gesellschaftlichen Veränderungen durch diese Parteien Angst.

Sich nicht von den Medien verrückt machen lassen

Unser Sendungsgast, die Berliner Philosophin und Autorin Natalie Knapp, meint, man tue sich selbst etwas Gutes, wenn man nicht täglich mehrmals Nachrichten, Tweets etc. liest. Einmal würde durchaus reichen. Ganz wichtig ist für sie die Auswahl des jeweiligen Mediums. Man sollte solche bevorzugen, die Information verbreiten und nicht Emotionen (vor allem Wut und Hass).

Die Zukunft steht noch nicht fest

Natalie Knapp rät Menschen in Zeiten der Unsicherheit, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und sich mit Alkohol, Fernsehen, übermäßigem Essen etc. abzulenken. Laut der Philosophin sollten wir uns mit anderen Menschen zusammentun und an der Gestaltung der Zukunft mitwirken. So erfahren wir uns als selbstwirksam und entwickeln einen Sinn für unser Leben. Kraft auf unserem Weg können Natur, Bewegung, Meditation, aber auch kulturelle Betätigungen spenden.

Moderation: Univ.-Prof.in Dr.in Karin Gutiérrez-Lobos
Sendungsvorbereitung: Mag.a Nora Kirchschlager
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Worüber sorgen Sie sich zurzeit?

Haben sie Angst vor der Zukunft?

Setzen Sie sich für eine bessere Zukunft ein?

Was tun Sie in puncto Umweltschutz?

Was könnte Ihrer Erfahrung nach dabei helfen, sich in unsicheren Zeiten zurechtzufinden?


Service

Studiogäste im Funkhaus Wien:

Dr. Rainer Gross
Psychiater
Freundgasse 2/8
1040 Wien
+43-1-5720065

Mag. Philipp Ikrath
Jugendforscher
Institut für Jugendkulturforschung
Alserbachstraße 18
1090 Wien
+43/1/532 67 95
E-Mail
Homepage

Gast im Hauptstadtstudio des Deutschlandradios Berlin:

Dr.in Natalie Knapp
Philosophin und Autorin
E-Mail
Homepage

Info-Links und Buch-Tipps:

Fridays for Future Österreich

Natalie Knapp, "Der unendliche Augenblick: Warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind", Rowohlt Buchverlag 2015

Natalie Knapp, "Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können", Rowohlt Taschenbuch 2013

Fiona Jeffries, "Wir haben nichts zu verlieren außer unsere Angst: Vom Widerstand in schwierigen Zeiten", Verlag Rotpunktverlag 2019

David Wallace-Wells, "The Uninhabitable Earth: Life After Warming", Tim Duggan Books 2019

Stefan Brunnhuber, "Die offene Gesellschaft: Ein Plädoyer für Freiheit und Ordnung im 21. Jahrhundert", oekom verlag 2019

Sendereihe

Gestaltung