Thomas Hennefeld über den Klimawandel

"Fröhliche Auferstehung" von Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der evangelisch-reformierten Kirche in Österreich. - Gestaltung: Brigitte Krautgartner

Wie der Phönix aus der Asche möge sich die weltberühmte Kathedrale wiedererheben und in neuem Glanz erstrahlen. Es war ein Drama. Die Bilder von der brennenden Notre Dame in Paris gingen um die Welt so rasch wie das Feuer im Dachstuhl um sich griff und den Spitzturm zum Einsturz brachte. Beileidsbekundungen kamen aus Nah und Fern. Im Angesicht der Tragödie rückten die Franzosen näher zusammen. Die Frage nach der Ursache konnte noch nicht geklärt werden und wird es möglicherweise auch nicht. Es dürfte eine Unachtsamkeit, ein Unfall gewesen sein.

Einen Tag nach der Katastrophe in Paris hatte die 16-jährige schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ihren Auftritt im EU-Parlament in Strassburg und nahm in ihrer Rede auch Bezug auf den Brand der Kathedrale. Sie drängte die Regierenden, sich für die Sicherheit unseres Planeten so leidenschaftlich zu engagieren, wie für den Wiederaufbau von Notre Dame.

Obwohl Kirche, Glaube und Religion in Europa eine abnehmende Rolle spielen und viele Religion am liebsten aus der Öffentlichkeit verbannt sehen möchten, wurde mit diesem Brand ein Nerv getroffen. Er rief schlagartig tiefes Mitgefühl hervor, inklusive der Bereitschaft, schnell Geld zu spenden. Innerhalb eines Tages sind 700 Millionen Euro zusammengekommen. An Geld mangelt es anscheinend nicht in dieser Welt. Diese großherzigen Reaktionen könnten Grund zu Optimismus geben. Wenn etwas Schreckliches passiert, lassen sich Menschen motivieren und mobilisieren. Unwillkürlich fragte ich mich: Warum funktioniert dieser Mechanismus nicht auch bei anderen Tragödien?

Der Klimawandel ist anscheinend zu wenig konkret. Noch sind die Auswirkungen, vor allem für Europa, nicht so unmittelbar spürbar. Eine brennende Kathedrale versetzt Menschen eher in einen Schockzustand als ein brennender Planet, denn es werden uns keine Bilder ins Haus geliefert, wie die Flammen über der Erde zusammenschlagen. Und es ist einfacher, einmal zu spenden, so wichtig und löblich das ist, als ganz grundlegend umzudenken und sich von diesem vorherrschenden Lebensstil zu verabschieden.

Auch Jesus hat vom Feuer gesprochen. Und er hat eine irritierende Aussage dazu gemacht: "Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!" Jesus spricht aber von einem Feuer ganz anderer Art, nicht von einem, das Zerstörung anrichtet, sondern das die Leidenschaft der Menschen entfachen will.

Die westliche Christenheit feiert heute Ostern und damit Christi Auferstehung von den Toten. Wie ein Lauffeuer hat sich diese Nachricht herumgesprochen und Menschen in Bewegung gesetzt. Und sie hat dazu geführt, dass Christinnen und Christen ihre Gemeinschaften aus lebendigen Steinen errichtet haben. Der Auferstandene will ein Feuer der Liebe in Menschen entzünden, und dieses Feuer soll zu einem Flächenbrand werden. Es will Mitgefühl mit den Mitmenschen und mit der Schöpfung Gottes hervorrufen. Anders als beim Brand der Kathedrale kennen wir die Verursacher der Katastrophe, es sind viele von uns.

Auch ich wünsche mir die Instandsetzung dieses besonderen Bauwerks, das auch mich fasziniert und vielen Menschen Trost schenkt und sie in Staunen versetzt. Aber dieser Elan, diese Entschlossenheit, aus der Asche etwas Neues zu bauen, wünsche ich mir auch im Kampf um ein lebenswertes Leben auf dieser Erde. Der französische Präsident hat versprochen, in fünf Jahren die Kathedrale wieder aufzubauen, schöner als zuvor. Ich bin da bescheidener und realistischer, was unseren Planeten betrifft. Es wäre schon viel gewonnen, wenn das Artensterben, das Schmelzen der Gletscher und Ansteigen des Meeresspiegels nicht so rasant voranschreiten wie bisher, und in fünf Jahren der Ausstoß von CO2 Abgasen zurückgeht und die globale Erwärmung wenigstens gebremst werden kann.

Die Auferstehung Jesu ist ein fröhliches Ereignis und schenkt den Menschen Hoffnung. Im Licht der Auferstehung können Menschen Gewaltiges vollbringen, in ihren Vorhaben, in ihrem Denken und in ihrem Handeln. Das Feuer der Liebe möge im Licht der Auferstehung von den Toten die Hirne und die Herzen der Menschen erreichen, damit wir nicht unseren eigenen Planeten verbrennen. In diesem Sinn: Fröhliche Auferstehung!

Sendereihe

Gestaltung