Bienenschwarm

APA/AFP/ANTHONY WALLACE

Jenseits von gestreichelt und geschlachtet

Neue Denkansätze im Mensch-Tier-Verhältnis (1).
Gestaltung: Richard Brem

Zur "Natur des Menschen" gehört sein Selbstverständnis, dass er eine Sonderstellung innerhalb der Natur einnimmt. Am höchsten entwickelt und sich seines Selbst am meisten bewusst, steht der Mensch weit über den Pflanzen und auch über den Tieren - wenngleich er eine gewisse Verwandtschaft und gemeinsame Vorfahren mit diesen nicht abstreiten kann.

Für den Philosophen Descartes, einen der Kirchenväter des Denkens in der Moderne, waren Tiere einst nicht viel mehr als Maschinen. Doch die heutigen Erkenntnisse der Wissenschaft deuten darauf hin, dass sie in erstaunlichem Maße Gefühle und Bewusstsein besitzen und die Trennlinie zwischen Mensch und Tier daher nicht mehr so klar wie bisher zu ziehen ist. Auch werden die Stimmen lauter, die unser gängiges Bild vom Tier als passives und ausgebeutetes Opfer in Frage stellen. Und es mehren sich sogar Stimmen, die ein politisches Mitbestimmungsrecht für Tiere fordern.

Wie sehr das Wohlergehen von Menschen und Tiere miteinander verbunden ist, zeigt das Beispiel der Bienen. Ihre Zurückdrängung und Gefährdung durch eine allzu intensiv betriebene Landwirtschaft macht sichtbar, wie verheerend sich eine Störung oder gar Zerstörung ökologischer Kreisläufe auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken würde. Eine der Antworten auf das Bienensterben ist die Konstruktion von Roboterbienen, die beim Bestäuben von Pflanzen und Bäumen zum Einsatz kommen sollen - einer von mehreren aktuellen Versuchen, die Form und Fähigkeiten von Tieren mit Hilfe moderner Technologie nachzuahmen.

Das Radiokolleg beleuchtet neue Entwicklungen und Denkansätze im vielfältigen Verhältnis von Mensch und Tier und berichtet dabei unter anderem über stolze Totemtiere und "arme Schweine", totalitäre Ameisengesellschaften, künstliche Fleischproduktion ohne Massentierhaltung, autonom und arbeitsteilig an kollektiven Zielen arbeitende "Schwärme" und das "Internet der Tiere", in dem Menschen und Tiere in Zukunft in einen neuen, technisch vermittelten Dialog treten sollen.

Service

Karsten Brensing:"Die Sprache der Tiere: Wie wir einander besser verstehen", Aufbau Verlag, Berlin, 267 Seiten, 978-3351037291

Karsten Brensing: "Das Mysterium der Tiere: Was sie denken, was sie fühlen", Aufbau Verlag, Berlin, 384 Seiten, 978-3351036829

Karsten Brensing: "Persönlichkeitsrechte für Tiere", Herder Verlag, Stuttgart, 240 Seiten, 978-3451068225

Fabian Allmacher: "Animal Athletics: Bodyweight-Training mit Animal Moves nach dem Vorbild der Natur", Riva Verlag, München, 176 Seiten, 978-3742300072

Fahim Amir: "Schwein und Zeit. Tiere, Politik, Revolte", Edition Nautilus, Hamburg, 208 Seiten, 978-3960540878

Markus Wild: "Tierphilosophie zur Einführung", Junius Verlag, Hamburg, 232 Seiten, 978-3885066514

Markus Wild: "Der Geist der Tiere: Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion", Suhrkamp Verlag, Berlin, 450 Seiten, 978-3518293416

Peter Iwaniewicz: "Menschen, Tiere und andere Dramen: Warum wir Lämmer lieben und Asseln hassen", Kremayr & Scheriau, Wien, 192 Seiten, 978-3218011358

Peter Iwaniewicz: "Bambi, Sau und Zeitungsente: Eine vergnügliche Zoologie des Alltags", Falter Verlag, Wien, 240 Seiten, 978-3854392019

Thomas Macho: "Schweine: Ein Portrait", Matthes & Seitz, Berlin, 155 Seiten, 978-3957570994

Thomas D. Seeley: "Bienendemokratie: Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können", Fischer Verlag, Berlin, 320 Seiten, 978-3596194070

Niels Werber: "Ameisengesellschaften: Eine Faszinationsgeschichte", Fischer Verlag, Berlin, 480 Seiten, 978-3100912121

Jean-Baptiste Del Amo: "Tierreich", Matthes & Seitz, Berlin, 440 Seiten, 978-3957576866

Kevin Kelly: "Out of Control: The New Biology of Machines, Social Systems, and the Economic World", Basic Books, New York, 528 Seiten, 978-0201483406

Michael Hardt & Antonio Negri: "Empire - Die neue Weltordnung", Campus Verlag, Franlfurt/M., 461 Seiten, 978-3593372303

Peter Singer: "Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere", Harald Fischer Verlag, Erlangen, 332 Seiten, 978-3891315323

Ernst Jünger: "Der Arbeiter: Herrschaft und Gestalt", Klett-Cotta, Stuttgart, 315 Seiten, 978-3608960648

Ernst Jünger: "Gläserne Bienen", Klett-Cotta, Stuttgart, 147 Seiten, 978-3608960723

Ernst Jünger: "Die Schere", Klett-Cotta, Stuttgart, 193 Seiten, 978-3608960785

Dietmar Dath: "Die Abschaffung der Arten", Suhrkamp Verlag, Berlin, 552 Seiten, 978-3518461457

Eva Meijer: "Die Sprachen der Tiere", Matthes & Seitz, Berlin, 176 Seiten, 978-3957575364

Donna Haraway: "Unruhig bleiben: Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän", Campus Verlag, Frankfurt/M., 350 Seiten, 978-3593508283

Alexander Pschera: "Das Internet der Tiere: Der neue Dialog zwischen Mensch und Natur", Matthes & Seitz, Berlin, 186 Seiten, 978-3957570147

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