Johann Gottfried Seume

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Johann Gottfried Seume

Spaziergang nach Syrakus. Auf den Spuren von Johann Gottfried Seume. Feature von Christina Höfferer

"Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge", war Seume überzeugt, "denn wer geht, sieht mehr, als wer fährt". 1801 verwirklichte der Schriftsteller bäuerlicher Herkunft seinen Lebenstraum und wandert mit einem fellüberzogenen Tornister zu Fuß von Grimma bei Leipzig nach Syrakus in Sizilien. Dabei lässt er sich weder von
schlechtem Wetter noch von hungrigen Wölfen oder unfreundlichen Gastwirten von seinem Ziel abhalten, "an den südlichen Ufern Siziliens etwas herumzuschlendern".

Der Bericht über seine neunmonatige Wanderschaft machte den Autor berühmt und ist bis heute so populär wie Goethes "Italienische Reise". Seume war jedoch kein bildungsbeflissener Reisender, sondern wollte das Land selbst in Augenschein nehmen. Sein
Schreibstil ist unprätentiös und sein zuweilen kreativer Umgang mit Sprache macht die Beschreibung seines Fußmarsches, den er kokett als "Spaziergang" bezeichnet, zu einem anhaltenden Leservergnügen. Schon früh wurde jedoch bezweifelt, ob Seume wirklich so aus- und andauernd zu Fuß gegangen ist. Was er wirklich erlebt und was er mit der Freiheit des Autors dazu gedichtet hat, ist heute Gegenstand der Seume-Forschung. Klar ist jedenfalls: Der Einzelgänger, als den er sich gerne darstellte, war er ganz und gar nicht.

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