Copland, Barber, Walton

City of Birmingham Symphony Orchestra, Dirigent: John Wilson; CBSO Chorus; Bozidar Smiljanic, Bariton. Aaron Copland: Appalachian Spring Suite(Ausschnitt) Samuel Barber: Konzert für Violine und Orchester op. 14 William Walton: Belshazzar's Feast (aufgenommen am 6. April in der Symphony Hall, Birmingham). Präsentation: Peter Kislinger.

Zu einfach und zu schwierig

Avantgardisten verachteten es, das Konzertpublikum, Geiger und Geigerinnen lieben es: das Violinkonzert von Samuel Barber. Entstanden ist es 1939, ein Jahr nach Barbers "Adagio for Strings". Ein Industrieller hatte es in Auftrag gegeben. Der Auftraggeber zahlte und wollte was für sein Geld. Erste Reaktion: zu simpel. Also schrieb Barber ein wirklich höllisch schwieriges Finale. Die Reaktion des reichen Mannes: zu schwierig. Andere Einwände ließen nicht auf sich warten: nicht genug Rückgrat, nicht genug majestätisch, zu wenige dramatische Passagen, kein Werk für einen große Saal. Nach der Uraufführung meinte dann ein Kritiker, der Beginn sei nicht effektvoll genug. Der kanadische Geiger James Ehnes kann diese Meckereien nicht nachvollziehen: Was hätte Barber denn nach dem introvertierten Adagio sonst schreiben können als einen virtuosen Schlusssatz?


Für leicht befunden

Für Herbert von Karajan war William Waltons "Belshazzar's Feast "die beste Chorkomposition der letzten 50 Jahre", als er das als "Oratorium" angekündigte Werk am 12. Juni 1948 im Wiener Musikverein mit den Wiener Symphonikern, dem Wiener Staatsopernchor und dem Bariton Paul Schöffler aufführte. Vor der Pause stand übrigens die Uraufführung des ersten Teils der "Tanzoper" genannten "Homerischen Symphonie" von Theodor Berger auf dem Programm.

Waltons Kantate "Belshazzar's Feast" war beim Leeds Festival 1931 uraufgeführt worden. Der Festivaldirektor, der Dirigent Thomas Beecham, riet dem jungen Komponisten zuvor: "Mein Junge, du wirst das Ding ohnehin nie wieder hören, warum also nicht ein paar Blechmusikkapellen hinzunehmen?" Alles in allem standen letztlich 800 Mitwirkende im Konzertsaal. Das Werk ist in Großbritannien zu einem Dauerhit geworden. Und auch das Konzert in Birmingham geriet zu einem Triumph - und das bereits zum zweiten Mal innerhalb von nicht einmal fünf Jahren.

Walton orientierte sich am Buch Daniel aus dem Tanach: der Fall Babylons mit Zusätzen aus den Psalmen und dem Buch der Offenbarung aus dem Neuen Testament - Bibeltexte über Hybris und die fatale Neigung, die Schrift an der Wand zu ignorieren, das "Mene mene, tekel, u-pharsim", worauf Belsazzar, in freier Übersetzung, "gewogen und für leicht befunden" wird. Der Ausbruch des Chores, das berühmte "Slain!" - ermordet, erschlagen - ging in die Chorgeschichte ein. "Belsazar ward aber in selbiger Nacht / Von seinen Knechten umgebracht", wie es 1821 in Heinrich Heines Ballade "Belsazar" hieß.
Virtuos setzte Walton die Orchesterfarben ein und wusste den Rhythmus, dezent angereichert aus dem Jazz, effektvoll zu nutzen. Walton ignorierte alles, was man sich in England so unter richtiger Kantatenmusik vorgestellt hatte. Er hat damit die englische Chortradition revolutioniert und bis heute ungebrochenen Erfolg gehabt.

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Samuel Barber/1910 - 1981
Titel: Konzert für Violine und Orchester op.14
* Allegro moderato - 1.Satz
* Andante - 2.Satz
* Presto in moto perpetuo - 3.Satz
Violinkonzert
Solist/Solistin: James Ehnes / Violine
Orchester: City of Birmingham Symphony Orchestra
Leitung: John Wilson
Länge: 22:00 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Sir William Walton/1902 - 1983
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Sir Osbert Sitwell/1892 - 1969
Titel: BELSHAZZAR'S FEAST - Kantate für Chor, Bariton und Orchester
Anderssprachiger Titel: Belsazars Fest
* 1. Thus spoke Isaiah : Thy sons that thou shalt beget
* 2. If I forget thee, O Jerusalem
* 3. By the waters of Babylon
* 4. Babylon was a great city
* 5. Praise ye the God of Gold
* 6. Thus in Babylon the mighty city
* 7. And in the same hour, as they feasted
* 8. Then sing aloud to God our strenght
* 9. The trumpeters and pipers are silent
* 10. Then sing aloud to God our strenght
Solist/Solistin: Bozidar Smiljanic / Bariton
Chor: CBSO Chorus
Orchester: City of Birmingham Symphony Orchestra
Leitung: John Wilson
Länge: 32:20 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Aaron Copland/1900 - 1990
Titel: Appalachian Spring - Ballet for Martha / Suite für großes Orchester
Anderssprachiger Titel: Appalachischer Frühling
Orchester: City of Birmingham Symphony Orchestra
Leitung: John Wilson
Länge: 24:00 min
Label: EBU

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